 wäre, als sie ist, gehört nicht unter die gefährlichen Romanen, von
welchen der Verfasser des gefährlichsten und lehrreichsten Romans in der Welt
die Jungfrauen zurückschreckt) und wir sehen es also nicht gerne, dass einige
unter ihnen, welche noch Geduld genug gehabt, dieses achte Buch bis zum Schluss
zu durchblättern - - in der Meinung, dass nun nichts interessantes mehr zu
erwarten sei, nachdem Agaton durch einen Streich von der verhasstesten Art,
durch eine heimliche Flucht der Liebe den Dienst aufgesagt habe - den zweiten
Teil seiner Geschichte ganz kaltsinnig aus ihren schönen Händen entschlüpfen
lassen, und - - vielleicht den Sopha, oder die allerliebste kleine Puppe des
Hrn. Bibiena ergreifen, um die Vapeurs zu zerstreuen, die ihnen die Untreue und
die Betrachtungen unsers Helden verursachet haben.
    Woher es wohl kommen mag, meine schönen Damen, dass die meisten unter Ihnen
geneigter sind, uns alle Torheiten, welche die Liebe nur immer begehen machen
kann, zu verzeihen, als die Wiederherstellung in den natürlichen Stand unsrer
gesunden Vernunft? Gestehen Sie, dass wir Ihnen desto lieber sind, je besser wir
durch die Schwachheiten, wozu Sie uns bringen können, die Obermacht Ihrer
Reizungen über die Stärke der männlichen Weisheit beweisen - - Was für ein
interessantes Gemälde ist nicht eine Deanira mit der Löwes nervichten Liebhabers
umgeben, und mit seiner Keule auf der Schulter, wie sie einen
triumphierend-lächelnden Seitenblick auf den Bezwinger der Riesen und Drachen
wirft, der, in ihre langen Kleider vermummt, mitten unter ihren Mädchen mit
ungeschickter Hand die weibische Spindel dreht? - Wir können eine oder zwo, auf
welche diese kleine Exclamation nicht passt; aber wenn wir ohne Schmeichelei
reden sollen, (welches wir freilich nicht tun sollten, wenn wir die Klugheit zu
Rate zögen,) so zweifeln wir, ob die Weiseste unter allen, zu eben der Zeit, da
sie sich bemüht, den Torheiten ihres Liebhabers Schranken zu setzen, sich
erwehren kann, eine solche kleine still-triumphierende Freude darüber zu fühlen,
dass sie liebenswürdig genug ist, einen Mann von Verdiensten seines eignen Werts
vergessen zu machen.
    Eine alltägliche Anmerkung werden Kenner denken, welche weder mehr noch
weniger sagt, als was Gay in einer seiner Fabeln tausend mal schöner gesagt hat,
und was wir alle längst wissen - - dass die Eitelkeit die wahre Triebfeder aller
Bewegungen des weiblichen Herzens ist - - Wir erkennen unsern Fehler, ohne
gleichwohl den Kennern einzugestehen, dass unsre Anmerkung so viel sage. Aber
nichts mehr hievon!
    Hingegen können wir unsern besagten Leserinnen, um sie wieder gut zu machen,
eine kleine Anecdote aus dem Herzen unsers Helden nicht verhalten, und wenn er
auch gleich dadurch in Gefahr kommen sollte, die Hochachtung wieder zu
verlieren, in die er
