 folglich nie beleidigt
hat? Sollte er mit Ihnen nicht allerdings zufrieden sein, so muss man dieses
seiner Schwachheit und seiner geringen Kenntnis der großen Welt zu gute halten.
Sie bleiben doch Kirchpatron, wenn er Sie auch manchmal auf eine verblümte Art
öffentlich tadelt, oder nach der Sprache des gemeinen Mannes von der Kanzel
wirft, ich muss mir dieses sowohl als Sie gefallen lassen, und befinde mich auf
einen solchen Fall allezeit sehr wohl. Ich kann mir nicht einbilden, dass er
seinen Amtseifer gegen Sie an Ihren Vorfahren ausüben sollte; zudem scheint
sein Fuß nicht mehr rüstig genug, gegen eine steinerne Bildsäule dergestalt zu
wüten, dass sie davon merklich könnte beschädiget werden, wenn er sich auch
Hufeisen hätte auflegen lassen. Ich habe meine besonderen Gedanken über diese
Sache, Herr Lampert ist zur Intrigue gemacht, wer weiß, ob er das nicht selbst
getan hat, was er dem Herrn Wendelin aufbürdet. Diese Vermutung ist nicht
unwahrscheinlich, er ist in seiner Liebe bei der Jungfer Wendelin unglücklich
gewesen, den größten Philosophen verläst seine Philosophie, wenn er ein
unglücklicher Liebhaber wird, er denkt auf Rache, wenn er auch übrigens so zahm
ist wie ein Lamm. Das Schwert meines Gerichtshalters hält das seinige in der
Scheide, dass er sich öffentlich weder an ihn, noch an seine Braut wagen darf; er
ist also vermutlich darauf bedacht gewesen, auf eine verborgene Art sich zu
rächen und dem Pfarrer eine Grube zu graben. Vielleicht hat er sich einmal in
die Küche schließen lassen, und das Monument selbst beschädiget, welches er nun
auf die Rechnung des Pfarrers schreibt. Glauben Sie nur, Herr Wendelin ist ein
ehrlicher Mann, der für Leid in die Grube fahren würde, wenn er die boshafte
Beschuldigung wüsste. Lassen Sie sich, wenn Sie meinem Rate folgen wollen, gegen
ihn nichts merken und übergehen sie die ganze Sache, die ohnedem eine
Kleinigkeit ist, mit Stillschweigen. So gern ich wünschte, Ihr Verlangen zu
erfüllen, und meinen Gerichtshalter zu überreden, seiner Rechte auf Hannchen,
die bereits seine Braut ist, zum Vorteil des Herrn Lamperts sich zu begeben; so
wenig bin ich im Stande, dieses ins Werk zu richten. Mein Gerichtshalter will
eher das Leben verlieren, als seine Braut. Er ist, wie Sie wissen, ein Mann, der
Herzhaftigkeit besitzt und ein gewaltiger Disputator, dass ihr Herr Lampert gewiss
gegen ihn den kürzern ziehen würde, wenn er sich mündlich oder schriftlich, auf
den Hieb oder Schuss mit ihm einlassen wollte. Über dieses glaube ich, dass mein
Gerichtshalter dieses artige Mädchen wohl verdient; er hat alle Regeln eines
Liebhabers, der in seinem Vorhaben glücklich sein will, aufs genaueste
beobachtet. Er hat zu rechter Zeit geschwiegen, und zu rechter
