 wäre. Ich
kann Ihnen nicht verhalten, dass Sie diese Beschimpfung wohl verdienten.
Gewissenswegen rufe ich Ihnen zu: Lassen Sie ab von den Neuerungen, die nur
Schaden anrichten und unsere Gemeinde verwirren. Sie haben bisher viel böse
Taten ausgeführt: unsern Kirchturm haben Sie um eine Glocke gebracht; den
Schulmeister bei Ihrem Patron so eingeschwärzt, dass der arme Mann bald einmal
Prügel bekommen hätte, welches er mir mit Tränen geklagt. Der Gemeinde haben
Sie viele neue Fröhnen aufgebürdet, der Bader hat Ihretwegen ins Loch kriechen
sollen, jetzt martern Sie die armen Schuldiener in der Nachbarschaft, dass sie
wöchentlich einen beschwerlichen Weg tun müssen, dabei bilden Sie ihnen
wunderliche Dinge und einen seltsamen Stolz ein, dass sie sich gegen ihre
Pfarrherren auflehnen und nicht mehr Gehorsam leisten wollen. Mit einem Worte,
Sie fangen so viel Unheil an, und ich muss täglich so viel Klagen über Sie hören,
dass, wenn dem Unwesen nicht bald gesteuret wird, der gänzliche Ruin unsrer
Gemeinde dadurch zu befürchten steht. Ich will zwar von Ihnen nach der
christlichen Liebe das beste hoffen, und zweifle noch nicht an Ihrer Besserung;
aber ich kann nicht umhin, Ihnen die Gedanken zu eröffnen, worin ich stehe,
dass Sie vielleicht gar unter dem Scheine, einige unwissende Leute gelehrt zu
machen, eine alte Ketzerei, wovon Sie, wie es scheint, vollstecken, unter
diesen einfältigen Leuten aufwärmen wollen. Ich warne Sie als ein guter Freund,
von diesem bösen Vorhaben abzustehen, oder ich kann Ihnen nicht gut dafür sein,
dass Sie sich durch solche gefährliche und weitaussehende Dinge viel Verdruss und
Unheil zuziehen werden. Der ich übrigens, wenn Sie angeloben, sich zu bessern,
verharre
                                      Ihr
                                                             aufrichtiger Freund
                                                                   Wendelin P.L.
 
                                  XXI. Brief.
                        L. Wilibald an Jungfer Hannchen.
                                                                     den 10 Dec.
        Meine Schöne,
Ob ich gleich noch nicht so glücklich bin, Sie zu besitzen, so nenne ich Sie
doch, in guter Hoffnung, die meinige. Ich zweifle nicht, dass Sie für Ihren
demütigen Verehrer noch immer die Gewogenheit haben, die Sie jederzeit gegen
mich haben spüren lassen, wenn gleich ein grausames Schicksal, welches mich
verfolgt, Sie mir zu entziehen drohet. Ich habe es Ihnen mehr als einmal zu
verstehen gegeben, dass ich Sie allen möglichen und allen wirklichen
Frauenzimmern auf der ganzen Welt vorziehe, und ob Sie gleich, nach Ihrer
Schamhaftigkeit sich immer gestellt haben, als wenn Sie meine Sprache nicht
verstünden: so bin ich doch jederzeit scharfsinnig genug gewesen, einzusehen, dass
Ihre liebenswürdige Unwissenheit, die Sie annahmen, nichts anders als eine
Verstellung war. Wäre ich Ihnen missfällig gewesen, so hätten Sie gewiss nicht
Stand gehalten, wenn ich Ihnen unter dieser oder jener Einkleidung meine Neigung
zu
