 ich weiter nichts, als Feuer! und denn gehts los. Jeremias muss
noch einmal mit dem schelmischen Barbier reden, damit der Schlingel nicht erst
sich zur Ladung schwenket, wenn ich fort will.
    Was fangen wir mit unserm Onkel an? Nichts fehlt, als dass er noch auf solche
Abenteuer ausgeht. Ich weiß gewiss, jeder Schritt von hier bis nach Bologna
würde mit einer recht besonderen Torheit bezeichnet. Allein das muss nicht
geschehen. Wie wird er sich anstellen, wenn du ihm die Vermählung der Klementine
schreibest? Ich denke aber, er hat einen neuen Entwurf im Kopfe, der jenem an
Schönheit nichts nach gibt.
    Abends um 6. Uhr. Die Adjuvanten sind da; der alte Kantor auch, im Mantel,
als wenn er zur Hochzeit bitten wollte. Der Magister hat ihm seine Zweifel wegen
den Orgeln benommen, oder besser: unser Onkel wollte den alten ehrlichen Mann
prügeln.«
    Alleweile höre ich, dass er ihm auf dem Saale einen Unterricht wegen des
Spielens gibt:
    »Höre er, Herr Schulmeister, er muss ein wenig flüchtiger werden auf der
Orgel. Die Finger sind so steif, wie die Trommelstöcke. Habt ihr etwa in euren
jüngeren Jahren die Daumenschrauben bekommen? Ach, Ihr Gnaden, ich bin ein
ehrlicher Mann; ich bin niemals auf der Tortur gewesen, wie man sagen möchte.«
    »Sie sind ein alter Narr. Was wär daran gelegen, du bist kein Erzbischoff,
Herr Schulmeister, nicht wahr? Vernehme er, was ich sage. Führt mir keine
Kirchenstücke mehr auf - - denn das schickt sich nicht. Das letzte fing sich
mit einer Fuge an - - mir deucht, ich hätte es an der Kirmse in der Kirche
gehört. Gnädiger Herr, ich habe freilich keinen großen Vorrat: allein heute
wollen wir ein Trio machen, und alsdenn einige Menuets und Polonoisen zum
Tanzen; da wird aber nicht dazu georgelt.
    Nein, das versteht sich. Wenn ich Alexanders Gastmahl aus Engelland bekomme:
so lassen Sie es Ihren Adjuvanten lernen. Verstehst du mich wohl?« Gerne, gerne.
Der Magister hat Hanngen anbei geholt, und also werde ich wohl mit tanzen
müssen. Ich will also dieses mal meine Feder niederlegen, dir aber noch sagen,
dass ich dich allemal lieben werde.
                                                                     Amalia v.S.
 
                                  XIII. Brief.
                        Fräulein Amalia an ihren Bruder.
                                                        Schöntal den 27 Junius.
Ich habe unserm Schwager beinahe einen Gewissenspunkt daraus gemacht, dass er uns
alle verleitet hat, unserm Vetter eine Sache vorzuschwatzen, die ihn noch vielen
Verdrießlichkeiten aussetzen kann. Er ist gleichwohl unsrer Mutter Bruder, wir
sollten es nicht getan haben. Mein Schwager hat keine Lust von seinem Vorhaben
abzustehen, und glaubt das Recht zu haben
