 so gar ehrenveste, und treiben es oftmals ärger als die
Edelleute. Ich denke, man kann ja wohl von zwei Bäumen auf einmal Birnen
schütteln. Wenn das Kammermädchen nur nicht eben so garstig wäre, als ihre
Gebieterin schön ist, so würde der Magister meinen Befehl eher respectiren. Er
hat mir indessen versprochen, es auf andere Weise dahin zu bringen, dass sie in
mein Horn blässt, das mag er immer tun, wenn alle Stricke reißen sollten, so
bleibt er dennoch das Stichblatt. Sorgen Sie nur dafür, dass der Geburtstag recht
hoch gefeiert wird, und geben Sie auf alles genau Achtung, damit Sie auf
Erfordern mir einen getreuen Bericht abstatten können. Alleweile kommt der
Magister mit dem Briefe, der in meinem Namen an das Fräulein abgefasst hat, und
welcher das Gedichte begleiten soll. Wenn beides wohl geraten ist, so soll er
den Filialsstock zur Verehrung bekommen, welchen ich ihm längstens zugedacht
habe, der vergangenen Sommer dem Metzger ist abgenommen worden, der sein Vieh
über meine Wiesen hat treiben lassen. Ich bin einmal wie allemal.
                                      Ihr
                                                               gehorsamer Diener
                                                                            v.N.
 
                                   VI. Brief.
                      Von ebendemselben an den Herrn v.F.
                                                                     den 25 Nov.
Sie haben mir gestern wissen lassen, dass Ihre Gäste, die Sie eingeladen haben,
heute alle erscheinen würden. Ich bin darüber erfreut. Den Major Ln. hätten Sie
nur weglassen sollen, er gehört ohnedem nicht in unsere geschlossene
Gesellschaft. Überhaupt dächte ich, er könnte wieder zu seinen: Regiment gehen,
ich wollte der schweren Zeit ungeachtet, gern eine Kompagnie Franzosen bei nur
überwintern lassen, wenn er nur dadurch genötigt wurde, die hiesige Gegend zu
verlassen. Man weiß indessen nicht, wie bald sich das Blättchen wenden kann. Ich
halte es zwar allezeit mit den hohen Alliirten, so bald aber mein Vorteil mit
ins Spiel kommt, so trete ich zur französischen Partei. Jetzt würde ich es gerne
sehen, wenn die ersten einmal verlöhren, damit der verwünschte Major mir nur aus
den Augen käme. Wer weiß, ob er es nicht ausspionirt hat, dass heut der
Geburtstag des Fräuleins ist, und sich etwan einfallen lässt, sie mit etwas
angenehmern als ein paar Bogen Pappier anzubinden. Ich stehe disfalls in großer
Sorge. Das ist sicher, dass er mit der Freundlichkeit und Politesse gegen die
Mutter, die Tochter meint. Er hat die Regel, die ich nach Ihrem Urteil soll
übertreten haben, besser in Acht genommen. Wenn er sich auf kein Angebinde
gefasst gemacht hat, so ist es mir gewissermaßen lieb, wenn er sieht, dass ich
ihm den Rang abgelaufen habe. Damit die Freude desto unvermuteter kommt und
größer wird, so bin ich auf den Einfall geraten, ein
