 niemals gerne. Tarazzoni verlor vor sechs Jahren, im Anfang des
Karnevals zu Venedig zwanzig tausend Ducaten, und hatte beim Schluss achtzig
tausend gewonnen. Ich denke Sie sollen nicht ohne Gewinnst aufsteigen, wenn Sie
nur nicht zu hitzig anfangen, oder wie Sie bisher getan haben, zuviel auf
einmal hazardiren. Dieses würde geschehen, wenn Sie entweder in Person oder
durch einen andern, nochmals um das Fräulein zu voreilig wollten anhalten
lassen, ehe Sie gewiss sind, dass Sie derjenige sind, den sie unter allen
Mannspersonen am meisten schätzt. Setzen Sie auch nicht zu viel Vertrauen in
sich selber, ich will Ihnen schon einen Wink geben, wenn die Reihe an Ihnen
ist, durch den letzten Trumpf, den Sie bis zuletzt in der Hand behalten müssen,
dem Spiel ein Ende zu machen.
    Diese allgemeinen Regeln sind zwar an sich gut genug: aber ihre Anwendung
ist schwer, wenn man sie in der Liebe brauchen will. Ich bemühe mich jetzt, die
Karte so zu mischen, dass ich Ihnen ein leichtes Spiel verschaffe; aber ich
verspreche Ihnen dieses nicht gewiss. So viel kann ich Ihnen sicher versprechen,
dass ich alles tun will, was mir in dieser Sache zu tun möglich ist. Sie fragen
mich, ob die alten Kunstgriffe sich bei den Schönen durch Bälle und andere
Lustbarkeiten in Gunst zu setzen, noch eben die Dienste haben, die sie ehedem
leisteten, ich getraue mir diese Frage mit ja zu beantworten. Das Frauenzimmer
besitzt noch alle die Neigungen, die sie vor dreißig oder vor hundert Jahren
besaßen, das Vergnügen ist ihr Leben, und wer ihnen dieses verschafft, den
können sie nicht hassen. Ich rate Ihnen, keine Gelegenheit vorbei zu lassen,
dem Fräulein v.W. alles ersinnliche Vergnügen zu machen, und insonderheit darauf
zu sehen, dass es nach dem besten Geschmack eingerichtet ist. Ich würde Ihnen
keinen Beifall versprechen, wenn Sie nach dem Beispiele unsrer Ahnen mit einer
Citer unter das Fenster Ihrer Gebieterin schleichen, und sie durch eine
traurige und mit vielen harmonischen Seufzern untermischte Arie, im Schlafe
stöhren wollten. Dieser zärtliche Liebesantrag, der ehedem Wunder getan, würde
jetzt mehr schädlich als nützlich sein. Man muss die Sache auf eine andere Art
angreifen, ich will Ihnen einmal einen Vorschlag tun. Künftigen Freitag ist der
Geburtstag des Fräuleins, wie wär es, wenn Sie ihren Hofpoeten, durch ein paar
Gläser ermunterten, ein Glückwünschungsgedichte zu verfertigen, um das Fräulein
damit anzubinden? Sie dürfen mir leicht ein gut Wort geben, so feiere ich das
Geburtsfest hier in Schöntal, und bitte sie alle zu Gaste, aber alsdenn werden
Sie Sich auf eine feine Galanterie gefasst halten, wenn Sie gegenwärtig sein
wollen, die Sie ihrem Glückwunsche beifügen, dadurch
