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        Wertester Freund,
Sie werden sich verwundern, dass ich an Sie schreibe, da wir uns doch mündlich
miteinander besprechen könnten; es ist wahr, ich habe keine Abhaltungen, Sie zu
besuchen, ich werde es auch vielleicht heute oder morgen tun, und es kann sein,
dass ich Ihnen meinen Brief selber zustelle: aber dem ungeachtet wird er nicht
überflüssig sein. Ich will Sie wegen einer gewissen Sache, die mir am Herzen
liegt, zu Rate ziehen, und bitte mir diesen schriftlich aus. Wenn wir uns
mündlich über diese Angelegenheit besprechen wollten, so könnte leichtlich ein
Wort das andere geben, Sie kennen meine Gewohnheit, dass ich mir nicht gern
widersprechen lasse, zum Disputiren hab ich kein sonderliches Talent empfangen,
und unrecht habe ich auch nicht gerne: inzwischen denke ich, einen schriftlichen
Widerspruch eher zu verdauen als einen mündlichen. Lassen Sie Sich also die
Sache vortragen. Sie wissen wohl, dass ich nach dem Beispiele meines Herrn
Gevatters mich habe verheiraten wollen, im Anfang tat ich es nur, um meinem
Muster ähnlich zu werden, und meine Handlungen mit den seinigen vollkommen
übereinstimmend zu machen; Da ich aber endlich einsah, dass meine häuslichen
Umstände es nicht länger leiden wollten, ohne Frau zu leben, und überdieses die
Possen mir anfingen zu gefallen: so tat ich, wie Sie wissen, mit Ernst zur
Sache, und hoffte, damit bald zu Rande zu kommen. Allein ich weiß nicht, wie
sich seit dreißig Jahren die Welt verändert hat, was man damals in einem Tage
ausrichten konnte, dazu braucht man jetzt ein Jahr, und wenn man alles getan
hat, und sich keine Mühe verdrüssen lässt, und endlich das Ding bei Lichte
besiehet, so weiß man nicht, ob man verraten oder verkauft ist. Mir wenigstens
geht es jetzt so, ich weiß nicht, ob ich eine Braut habe oder nicht. Inzwischen
bin ich kein Feind von der Mode, und wenn es so sein muss, dass man bei der Liebe,
wie im Kriege, oft eine ganze Kampagne mit dem Feinde harcelliret, ohne dass es
zu einer entscheidenden Action kommt, so lasse ich mir es auch gefallen, wenn
sich nur der Sieg auf meine Seite lenkt. Aber hier ist der Knoten. Hören Sie ein
Wort im Vertrauen! Lampert hat mir wunderliche Dinge von dem Major in den Kopf
gesetzt. Er ist ein schlauer Kaper, und macht Jagd auf das Fahrzeug, das für
meine Rechnung gehört, ich denke er hat es schon beim Leibe, und wird es bald
für eine gute Prise erklären. Das wäre ein schlimmer Streich, wenn er meine
Byron entführte, es steht Gefahr dabei, ob ich sie wieder erhaschen würde, wie
Herr Grandison die seinige.
