 mir einmal, welches Fräulein man mit ihr
    vergleichen könnte?
Amalia. Sie ist nach meiner Meinung stolz und gar zu abergläubisch. Ich will
    also keine Vergleichung anstellen.
v.N. Das sind bei einer Klementine keine Fehler: bei euch Jungfern aber würde
    ich beides nicht leiden können.
Amalia. Nun, das heiß ich erzverliebt - -. Wenn man die Fehler eines Mädgens für
    Schönheiten hält, bloß weil sie eine Ausländerin ist.
v.N. Ja das tu ich, und ich werde mich meiner Liebe niemals schämen. Wer
    Klementinen liebt, tut sich selbst hervor.
Amalia. Noch eins, Herr Onkel, Klementine ist eifrig römisch katholisch. Sie wird
    also jeden Protestanten abweisen. Nehmen Sie ein Beispiel an Sir Karln.
v.N. Sir Karl war zu gewissenhaft. Man muss die Sache nicht so genau nehmen.
    Hätte er Ernst gebraucht: so wär sie damals die Seinige geworden.
Amalia. Sprechen Sie doch lieber wegen diesen Punkte mit Ihrem Pfarr, und hören,
    was er sagt.
v.N. Nein, das mag ich auch nicht. Er würde freilich Ihrer Meinung sein; aber
    mit seiner ganzen Polemic nichts ausrichten. Was soll sich der alte Mann
    vergeblich bemühen.
Amalia. Sie sind ein sehr entschlossener Mann. Der Himmel verhüte nur, dass nicht
    etwa der General - -.
v.N. Wer? der General? dem will ich den Kopf schon zurechte rücken. Mir hätte er
    nicht so naseweis, wie Sir Karln, kommen dürfen; ich hätte ihn garstig
    abführen wollen. Ich fürchte mich für keinem Feldmarlschall, vielweniger für
    einem General. Lass ihn nur herwachsen, ich will ihm nicht aus dem Wege
    gehen. War ich wohl wert, ein Grandison zu heißen, wenn ich mich für einem
    solchen Bramarbas fürchten sollte?
Amalia. Ich weiß, dass Sie Mut haben; aber die Herzhaftesten können zuweilen
    unglücklich sein. Belvedere würde sich ganz gewiss mit ihm vereinigen.
v.N. Belvedere? der Pursch soll bald Reissaus geben. Ich werde ihn nicht wieder
    mit Komplimenten nach Hause schicken, wie Grandison: nein ich will ihn auf
    den Pelz brennen, dass er zeitlebens daran denken soll.
Magister. So lange noch Vorschläge zur Güte getan werden können, so lange muss
    man keine Gewalt brauchen. Ich habe schon zwo lateinische Reden, et quidem
    stylo Ciceroniano, ausgearbeitet, davon ich eine an den alten Marggrafen,
    die andere aber an den General halten will. In beiden ist die Sache pro und
    contra untersucht, und ich denke, wir wollen die ganze Familie gewinnen.
v.N. Bravo, mein alter ehrlicher Magister! Sie werden Sich doch hoffentlich mit
    dem Pater Marescotti vertragen können?
Magister.
