 den
Mägden ihre Pflicht so undeutlich, und zuweilen gar lateinisch, dass sie kein
Wort davon verstehen. Wenn ich aber mit der Peitsche hinter sie komme: so
überzeuge ich sie besser, als wenn der Magister zehen Predigten hielt. Im
Vertrauen, ich studire, nunmehr auf eine Reise nach Italien, um Klementinen
abzuholen, wenn sie anders noch ledig ist, und den verwünschten Belvedere nicht
hat nehmen müssen. Unser Barbier soll mit mir gehen und den Jeronimo recht
auscuriren: denn Lowter scheint mir nicht so tackt feste zu sein, als unser
Niclas. Klementine wird nachher meiner Liebe aus Dankbarkeit Gehör geben, dass
ich ihrem lendenlahmen Bruder geholfen habe. Die Religion soll mir nicht lange
im Wege stehen, ich würde wohl ein Türke, wenn ich Klementinen zur Frau bekommen
könnte. Erkundigen Sie Sich doch unter der Hand, wie die Sachen in Italien
siehen? ich lese zwar den Kourier und den Staatsboten; ich finde aber niemals
ein Wort von der Hochzeit der Klementine darin; folglich mutmase ich, dass sie
noch ledig ist. Ich erwarte eine Antwort von Ihnen mit Verlangen, und bitte
meine Empfehlung an Sir Karln und seine Henriette zu machen von
                                     Ihrem
                                                                 getreuen Onkel.
 
                                  XII. Brief.
                        Fräulein Amalia an ihren Bruder.
                                                     Kargfeld, den 13ten Junius.
                                                           Nachmittags um 4 Uhr.
Ich bin sehr neugierig, welchen Ausgang die Torheiten unsers Onkels nehmen
werden? Gegenwärtig erfordert eine Reise nach Italien seine ganze
Aufmerksamkeit. Ein Brief von dir wird der Sache den Ausschlag geben. Lebt die
Klementine noch unverheiratet; so geht er hin, und nimmt sie dem Graf von
Belvedere vor der Nase weg. Ich muss dir eine ganze Unterredung zwischen ihm,
seiner Schwester, mir, dem Magister, dem Barbier und seinem Jeremias mitteilen:
daraus du seinen Anschlag ganz deutlich erkennen kannst. Ein Glas Wein hatte
seine Lebensgeister rege gemacht.
Amalia. Lieber Herr Vetter, warum wollen Sie uns verlassen? wir lieben Sie wie
    unsern Vater, wir werden uns grämen, wenn Sie so weit weggehen; ja, wir
    würden für Bekümmernis sterben, wenn Sie unterwegens ein Unglück haben
    sollten.
v.N. Hören Sie auf zu winseln. Sie machen die Sache dadurch noch nicht anders.
    Soll ich unverheiratet sterben? nicht wahr, das wäre recht für euch? Nein!
    daraus wird nichts. Wie, sollte ich ein Unglück nehmen? Ich gehe in meinem
    Beruf, und das ist das beste.
Amalia. Ich dächte, Sie hätten vielmehr einen Beruf, hier bei den Ihrigen zu
    bleiben, um eine hieländische Lady glücklich zu machen. Gefällt Ihnen denn
    kein Frauenzimmer hier?
v.N. Es sind schon Mädchens hier; aber keine Klementine. Sie haben ja ihre
    Geschichte gelesen: sagen Sie
