. Er muss auch ein sehr böses
Herz besitzen. In einer Stunde von freien Stücken, und ohne dass man es verlangt,
zweien Frauenzimmern eine ewige Treue schwören, das ist der Charakter eines
Bösewichts. Er hat uns beide hintergehen wollen, und hat sich selbst
hintergangen. Dieses würde auch geschehen sein, wenn der Zufall seine boshafte
Absicht nicht offenbaret hätte. Ich hätte Ihnen gewiss das Geheimnis, wie er es
nennet, entdeckt, und Sie würden mir auch nichts verschwiegen haben, und so wäre
alles im kurzen an Tag kommen. Indessen beobachtet er doch eine gewisse
Vorsichtigkeit in seinen Briefen, er will, um sein Spiel desto länger mit uns zu
treiben, dass keine der andern von seinem törigten Liebesantrage etwas sagen
soll. So viel Verstand besaß er doch noch voraus zu sehen, dass seine Sache sehr
übel stehen würde, sobald wir seine Bosheit entdeckten. Unstreitig ist es unser
guter Sylphe gewesen, der uns für einen untreuen Liebhaber hat bewahren wollen,
und der ihm die Augen zuhielt oder verblendete, dass er einen so wichtigen
Irrtum bei Ausfertigung seiner Briefe hat begehen können. Ich wollte aber, dass
mein Sylphe mir einen wichtigern Dienst leistete, diesen verdenke ich ihm eben
nicht sonderlich; ich wäre schon selbst so klug gewesen, diesem Fallstrick zu
entgehen. Nun habe ich schon tausend Erfindungen im Kopfe, um uns wegen dieser
unartigen Aufführung zu rächen. Es mag ein Fehler sein oder nicht, so gestehe
ich Ihnen dass ich nicht Großmut genug besitze, eine solche Beleidigung mit
einer weisen Kaltsinnigkeit zu ertragen, ich hoffe, Sie sind auch meiner
Meinung. Lassen Sie uns aber, mein Kind, zuvor ein wenig wieder zu uns selbst
kommen, jetzo sind unsre Leidenschaften zu sehr rege gemacht, als dass wir einen
festen Enschluss fassen könnten. An keinem Briefe habe ich länger geschrieben als
an diesem, alle Augenblicke werfe ich die Feder hin, Bald denke ich an die kühne
Beleidigung des Majors und ärgere mich darüber, dass ich heule; bald fällt mir
wieder ein Mittel ein, Rache an ihm zu üben, und darüber vergnüge ich mich so
sehr, dass ich anfange zu lachen. Diese Gedanken wechseln so geschwinde, dass ich
oft zu gleicher Zeit lache und weine, alsdann laufe ich zum Spiegel, um zu
sehen, was ich für eine wunderbare Figur mache, hernach setze ich mich wieder
und schreibe ein paar Zeilen, und so geht es immer fort. Urteilen Sie hieraus,
wie sehr ich aufgebracht bin. Ich wollte Ihnen gerne ein paar von meinen
Einfällen, wie wir uns rächen wollen, mitteilen: aber sie sind hierzu noch
nicht reif genug. So viel kann ich Ihnen im Voraus sagen, dass es mir wenigstens
nicht einfällt, nach dem Beispiele
