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und meiner Leidenschaft Gewalt antun wollte, mich nicht wegen der Beleidigungen
an ihm zu rächen, so liegt mir noch etwas anders im Wege.
    v.N. Ohne Zweifel ist der Mann ein Held, der seine Leidenschaft überwinden,
und eine wirkliche Beleidigung, geschweige denn eine eingebildete vergessen
kann. Und einem Helden muss nichts im Wege liegen, als was sich für ihm
demütiget, oder was er kaput gemacht hat.
    Der Baron. Höchst vortrefflich! Können sie noch widerstehen, Herr Major?
    Der Maj. Nein, ich sehe mich genötigt, ihnen gewisse Vorschläge zu tun,
auf welche ich mich mit ihnen zu vergleichen gedenke. Ich will wenigstens die
Ehre haben, eben so großmütig gegen sie zu verfahren, als sie gegen mich zu
sein glauben. Ich lasse meine Forderung wegen einer Genugtuung für dasjenige,
wodurch ich mich von ihnen beleidigt halte, fallen; jedoch unter der Bedingung:
dass sie meiner Base, der Gemahlin des Herrn v.W. eine schriftliche Abbitte und
Ehrenerklärung tun, wegen der nachteiligen Reden, die sie von ihr geführet
haben, und alsdenn müssen sie mich überzeugen, dass es ihnen keinesweges an Mute
fehlt. Wenn sie richtige Beweise ihres Mutes anführen können, so will ich mich
alsdenn beruhigen, und glauben, dass sie nach den Grundsätzen ihres Gevatters
handeln.
    v.N. Sie wollen ihre Forderungen gegen mich fallen lassen, und machen immer
neue Forderungen, in der Tat haben sie gar keine an mich zu machen. Weil sie
indessen auf einem guten Wege sind, so will tun, was ich kann, sie dabei zu
erhalten. Ihre zweite Bedingung kann ich ohne Bedenken erfüllen; die erste aber
entstehet aus einem Vorurteile, das leicht zu widerlegen ist. Ich habe die Frau
v.W. nicht beleidigt, also ist auch eine Abbitte unnötig. Was ich von ihr
gesagt habe, das sind nur zufällige Gedanken gewesen, die ich nie vor Wahrheiten
ausgegeben habe. Wenn sie sich dadurch beleidigt glaubt, so muss man ihr als
einem schwachen Werkzeuge ihre Ehre geben, und sie begütigen. Eine
Ehrenerklärung aber wird mir nicht schwer fallen, ich halte jede Dame für eine
Dame von Ehre, bis ich es anders finde. Die Frau v.W. ist die Gemahlin meines
Freundes, ich gestehe ihr alle die Ehre zu, die sie dadurch erhält.
    Der Baron. Getrauen sie sich gegen diese Erklärung ein einziges Wort
aufzubringen?
    Der Major. Nicht ein Wort. Ich bin damit zufrieden, ich sehe dass ein
Misverstand unsern ganzen Zwist erreget hat. Ich ärgere mich nur, dass ich gegen
diesen vortrefflichen Mann, der alles so klug zu wenden weiß, dass er immer gegen
mich in Vorteile bleibt, so eine elende
