 nehmen: er verbat es aber, und ersuchte uns, die
Manschetten, in Halskrausen zu verwandeln. Er wird in kurzem an dich schreiben,
wenn sein Gemüte etwas ruhiger ist. Niemand hofft begieriger auf die Briefe
ihres geliebtesten Bruders, als
                                     Seine
                                                                     Amalia v.S.
 
                                  VII. Brief.
                      Der Herr v. N. an den Herrn v. S . .
                                                           Kargfeld den 14. Mai.
        Geliebter Neveu,
So ist denn die Geschichte mit Sir Karl Grandisonen wirklich wahr? Ich habe
zeitero, als ein kluger Mann, noch immer daran gezweifelt: weil ich niemals
gewohnt bin, alles bei der Erde weg zu glauben: allein Ihr letzter Brief an den
Magister hat mich völlig convinciret. Dem will ich den verdammten Häls brechen,
welcher nunmehr weiter etwas wieder die Gewisheit der Sache einwenden wird. Vor
allen Dingen, sehen Sie zu, dass Sie den Mann selber sprechen. Der Kaufmann, bei
welchen Sie wohnen, scheint mir nach Ihrem Berichte, ein ehrlicher Pursch zu
sein. Er wird Sie, wie der Engel den Tobias, sicher nach Grandisonhall bringen,
und darauf bedacht sein, dass Sie unterwegs kein Wallfisch frist.
    Wenn Sie dort sind; so machen Sie an den Herrn Grandison und an seine
Henriette von mir ein dienstfreundliches Kompliment. Merken Sie dabei auf alles,
was in seinem Schloss, an seinen Bedienten, und vornehmlich an seiner Person,
anzumerken würdig ist. Ich weiß zwar einen großen Teil aus dem Buche; allein
Specialia, mein lieber Vetter, Specialia sind es, die ich wissen will. Verstehen
Sie mich wohl? z.E. Hält er viel Jagdhunde? was sind seine Jäger für Kerls? wer
spielt die Orgel, wenn Konzert ist? was macht die alte Frau Shirlei? Ist der
Lady G. ihr Meerkätzgen zur Meerkatze geworden? Lebt die alte possierliche Tante
Lore noch. Von allen diesen Dingen dependirt gegenwärtig gar viel: und wenn mein
Vorhaben glücklich von Statten geht; so bin ich zwischen hier und Weinachten
ein zweiter Grandison: ja, vielleicht treibe ich die Sache noch höher. Lassen
Sie Sich aber gegen Niemanden nichts merken. Verschwiegenheit ist das
Wesentliche bei großen Unternehmungen. Der Magister Lampert tut mir hierbei
gute Dienste. Er ist selbst von der ganzen Affäre so eingenommen, dass ich mir
keinen drolligtern Kerl wünschen könnte, als ihn.
    Mein Rat wär, Sie blieben einige Monate zu Grandisonhall -, manchmal können
Sie auch nach Shirleimanor geben, wenn Ihnen die Zeit zu lang wird. Hüten Sie
Sich aber für dem verdammten Greville: es ist ein Schläger. Fragen Sie doch auch
nach den leidigen Vetter Eberhard, ob er vielleicht in seinem Ehestande auch
untertaucht? Meinen Gruß an den Herrn Reves und Frau Reves, wie
