 hat es zu arg
gemacht, er verdient eine kleine Züchtigung, und ich hoffe nicht, dass Sie
ungehalten darüber werden, wenn ich ihn ein wenig bessere.
    Wie? der Herr v.N. sollte Sie beleidigt haben? das kann ich nicht
begreifen, Sie haben ihm, so viel ich weiß nicht die geringste Gelegenheit dazu
gegeben. Vielleicht gründet sich ihr Unwille gegen ihn nur auf einen
Misverstand, er legt seine Worte nicht eben allezeit auf die Waage. O nein!
sagte der Major, ich kann mich in der Tat von ihm beleidigt halten, wenn ich
es tun will. Wie ich sehe, so wissen Sie noch nichts von unserm Zwiste; ich
will Ihnen den ganzen Verlauf der Sache erzählen. Er eröffnete mir, was es für
eine Bewandtnis mit dem Briefe hätte, den der Herr v.N. an meinem Vater
geschrieben hat. Er fügte hinzu, seine Base, die Frau v.W. hätte ihm neulich
durch einen expressen Boten einladen lassen, und da er den Tag darauf gekommen
wäre, hätte sie sich aufs heftigste über den Herrn v.N. beklaget; sie hätte ihn
auch eine Abschrift dieses Briefes gezeiget, und wäre so erbittert auf den Herrn
v.N. gewesen, dass sie es gerne würde gesehen haben, wenn er von Stund an sich
nach Kargfeld zu dem podagrischen Greise begeben, und sich mit ihm auf dem Bette
duelliret hätte. Um die ungestüme Frau nur in etwas zu besänftigen und sie
abzuhalten, dass sie ihn nicht einer Feigheit beschuldigen möchte, hätte er in
ihrer Gegenwart ein Kartel gegen den Herrn v.N. aufgesetzt; da ihr aber dieses
viel zu glimpflich geschienen: so hätte sie ihm selber einen verwünschten
Brief dictiret, welcher dem guten Manne das Podagra gewiss in den Leib würde
getrieben haben, wenn er ihm solchen während dieses schmerzhaften Zufalls
zuschicken wollte. Er hätte sich aber ein Gewissen daraus gemacht, die Quaal des
Patienten zu vergrößern, und er würde ihm den Fehdebrief nicht eher einhändigen
lassen, bis er wieder wohl wäre. Ich sagte, es würde am besten sein, wennes ganz
und gar unterblieb, ich wüsste gewiss, dass der Herr v.N. nicht die Absicht gehabt
hätte, ihn in dem Briefe an meinem Vater zu beleidigen, und wenn ja ein und der
andere Ausdruck in demselben könnte gemissdeutet werden; so wäre es doch Niemand
als meine Mutter, die eine schlimme Auslegung darüber machte, und ihrem Urteile
könnte man nicht trauen, da sie jetzo gegen den Herrn v.N. so sehr aufgebracht
wäre. Er würde ganz und gar nichts an seiner Ehre verlieren, wenn er auch gleich
diese Beleidigungen an dem Herrn v.N. nicht rächete, und
