 hätte mir bald das Garaus
gemacht. Es wäre kein Wunder, ich täte mir ein Leids. Sie geben mir einen gar
schlechten Trost in Ihrem Briefe, und der Herr v.N. kann es sein Tage nicht
verantworten, dass er mich um meine Versorgung gebracht, und es nun nicht einmal
Wort haben will. Ich habe immer so ein gutes Vertrauen zu ihm gehabt, dass ich
Häuser auf ihn gebaut hätte: aber nun sehe ich, dass man heutiges Tages
Niemanden quer über den Weg trauen darf. Ich weiß wohl, dass Ihr Herr so schlimm
an sich nicht ist. Wenn ich die deutsche Wahrheit sagen soll, so stecken sie
darhinter und verhetzen ihren Herrn gegen mich; denn das weiß Jedermann, dass Sie
ihn link und recht machen können: aber Sie werden schon einmal davor Ihren Lohn
bekommen. Nehmen Sie es nicht übel, ich bin ein einfältiger Mann und rede, wie
es mir vom Herzen geht. Sie sind ein hochstudirter Mann und wenn Sie anfangen
zu disputiren, so muss unser einer freilich fünfe lassen gerade sein: das sollen
Sie mir doch nicht weiß machen, dass der Herr von N. nicht sollte Schuld daran
sein, dass mich der Herr von W. abgeschaffet hat. Die gnädige Frau hat mirs
selber unter den Bart gesagt, der glaube ich und kehre mich wenig an Ihre
lateinischen Brocken. Will mich der Herr v.N. nicht versorgen, so muss ich
desperat werden, und unter die dicksten Soldaten gehen, und das liebe Vaterland
mit rujeniren helfen. Ich habe noch dreisig Gülden, dafür will ich meine Frau in
den Spittel kaufen, meine Lise kann einem Herrn dienen, und meine zwei kleinen
Kinder lasse ich dem Herrn v.N. vor die Tür setzen. Will er sich ihrer
annehmen, so ist es gut, wo nicht, so mag er es auch verantworten. Ich bin ein
geschlagener Mann; ehe ich mein Brod vor der Tür suche, will ich lieber einem
großen Herrn dienen. Auf einen Schulmeister habe ich mein Tage nicht studiret,
und nun ist es zu späte, dass ich erst anfangen sollte, nach Noten singen zu
lernen, und meine Finger sind auch überdem zum Trillern auf der Orgel schon zu
steif. Grüssen Sie Ihren Herrn von meinetwegen, und sagen Sie es ihm nur, dass ich
ihm alles mein Unglück auf den Kopf Schuld gebe, er mag es nun wortaben wollen
oder nicht. Künftige Woche gehe ich in die Stadt zu den Werbern und lasse mich
unterhalten, hernach werde ich nicht mehr nötig haben, ihm viel gute Worte zu
geben. Aber so viel ist richtig, meine zwei Kinder soll ihr Herr ernähren, ich
lasse sie ihm vor die Tür setzen, so
