 Verstande
müssen genommen werden, wie es auch aus der Natur der Sache schon genugsam
erhellet. Denn man weiß, dass sich so arme Leute, als die Bürstenbinder sind,
nicht in Wein bis zur Vollheit bezechen können, und von lauterer Opinion wird
man sich nicht leicht einen Rausch trinken. Wenn also der gelehrte Mann, der
dieses schreibt, jetzo leben sollte, so würde er sagen: und wenn ich den sauren
Wein lobte, so gefiel ihnen dieses sowohl, dass sie darüber ganz lustig wurden,
und den größeren Becher der Frölichkeit mit einander ausleerten. Ich will doch
noch ein Beispiel aus eben diesen Autore von gleichem Schlag anführen, es steht
gleich auf der folgenden Seite des obenangezogenen Tractätleins, die Worte
lauten also: Gestern, als ich auf meinem großen Stuhle eingeschlafen (war)
träumte mich, ich war ist einem herrlichen Pallast, da hörte ich den Abdanker
seine Oration halten, in welcher er den Hochzeitgästen Dank sagte, dass sie sich
einstellen und mit ihrer Gegenwart solche (Hochzeit helfen zieren wollen; führte
dabei an, sie wollten bedenken, dass anjetzo das Martinsfest wäre, wollten
demnach wacker herum trinken, dass kein Tropfen darin (in dem Fasse oder
Becher) blieb. Denn, sagte er, der Sauerkopf Seneca, der, der alle Berge eben
tragen wollen, hat selbst zuweilen gesoffen, dass er den Fuchsen geschossen und
über eilfe geworfen, (was diese Ausdrücke bedeuten, ist schon oben bei dem
Bürstenbinder erkläret,) und das sollte eine vortreffliche Medizin sein, aller
vornehmsten Arzenei Doctorn Meinung nach. Alexander der Große hat nie eine
Feldschlacht angetreten, er habe denn zuvor tapfer gesoffen. Wer sollte sich
aber dessen schämen, was Seneca, was Alexander M. was Kato getan? Und solche
Vorgänger zu haben, ist nicht allein wohl zu verzeihen, sondern noch wohl
lobenswert. So weit unser Autor. Hieraus leuchtet nun ganz deutlich in die
Augen, dass der Becher der Frölichkeit stilleschweigend gebilliget wird, und
dieses lässt sich hauptsächlich aus drei Gründen beweisen, I.) Weil der Autor
beiden angezogenen Stellen kein ungleiches Urteil beifüget, und also durch sein
Stilleschweigen die Sache billiget, denn qui tacet consentire videtur II.) Weil
er es selbst veranlasst hat, dass die Bürger in Königsberg sich besoffen haben
wie die Bürstenbinder, oder eigentlich zu reden, dass die Bürger in Königsberg
den größeren Becher der Frölichkeit versucht haben. III.) Weil er sich kein
Bedenken macht, einen Traum zu erzählen, der eine Aufmunterung zum Gebrauche
desselben enthält. Er würde diesen Traum gewiss verschwiegen haben, wann er
befürchtet hätte, dadurch eine Ärgernis anzurichten, da er aber dieses nicht
getan hat; so ist es außer allem Streit, dass er nichts darwider einzuwenden
hatte
