
ihn, man bringt ihn um einen Teil von seinem Vermögen: Er denckt die Obrigkeit
mag richten: Gott hat sie darzu eingesetzt: Er klaget, man hört ihn; aber seine
Klage ist nicht förmlich; Er muss einen Advokaten annehmen: Dieser hat auf den
Schlendrian geschworen, und der Schlendrian ist dagegen erkenntlich: Er
schmeltzt ihm seine Suppen: Er macht seinen Schornstein rauchen: Der Klient
verlässt sich auf seine gerechte Sache, und der Advokat auf seinen guten
Klienten. Sie gehen mit einander die Formalien durch: Es kommt kein Spruch, der
Klient will ungedultig werden: Der Advokat aber tröstet ihn, er spricht, seine
Sache stünd gut: es kommt ein communicetur nach dem andern: dann werden Zeugen
abgehöret, dann Eyde erkannt, dann über jeden Punkt neue Erläuterungen und
Beweise gefordert: der andere excipirt, replcirt, duplicirt, triplicirt,
quadruplicirt ... Endlich erscheint ein Dekret: Der Klient zahlt mit Freuden dem
Advokaten seine lange Rechnung: Er denckt, mein Prozess ist zu Ende: Ich habe
gewonnen. Der Gegenteil appellirt: da geht der Prozess von neuem an: hier kann
der Advokat allein nicht helfen: hier müssen Agenten und Procuratoren
angenommen werden: hier gilt so viel pro arrha, so viel pro honorario, so viel
für deservit, so viel für Briefe, und dergleichen ... Der Klient erschrickt über
alle diese Dinge: Aber wie, spricht er, ist dann kein Gott, ist dann kein Recht?
Der Prozess wird indessen eifrig fortgesetzt: Der Richter findet immer noch etwas
zu erinnern. Die Sache will nicht fort: Ein Jud, ein altes Weib, oder ein
verdorbener Banckeruttirer kommt zu dem Klienten, und gibt ihm einen Anschlag
seinen Prozess zu gewinnen: Dieser besteht darin, dass er spendiren soll: nicht
dem Referenten, nicht dem Richter, sondern hier und da und dort: Der Klient
denckt, der Prozess habe ihm schon so viel gekost, er wolle auch noch dieses dran
wagen: Der Spruch kommt: Der Prozess ist wieder gewonnen: Nun Gott Lob und Danck,
spricht der ehrliche Mann, dass ich doch endlich wieder zu meinem Geld komme:
Allein, vergebliche Freude! Neues Weh! Die Gegen-Partie sucht restitutionem in
integrum: Sie wird erkannt, und warum nicht? Die Gerichts-Ordnung bringt es ja
so mit sich: Es kommen Revisiones actorum, Leuterationes, dilationes, etc. Der
Klient kriegt darüber die Auszehrung: die Kräfte sincken: der Mut schwindet: Er
borget Geld, um seinen Prozess fortzuführen: Er erlebt davon nicht das Ende:
seine so lang geführte Rechts-Klage wird eine traurige Erbschaft für seine
Kinder: darin beruhet ihr ganzes Vermögen: ihre Not, ihr anhaltendes
Uberlauffen zwingen
