 beurteilen. Dann setzten sie sich wieder in
Bewegung. Sie hatten einen Entschluss gefasst; welchen, das sollten wir sogleich
sehen.
    Der Park war ihnen im Wege. Sie wollten nicht absteigen, sondern ihre
Befehle den Dschamikun vom Sattel herab erteilen. Darum ritten sie um ihn herum.
An der hinteren Seite angekommen, brachen sie durch die Rosen und kamen zwischen
den Säulen zu uns herein, um ihre Pferde grad vor der Dschemma anzuhalten.
    Ein Dutzend Personen! Niemand fürchtete sie, obgleich sie, wie man zu sagen
pflegt, bis an die Zähne bewaffnet waren. Aber es war nicht nur die Störung des
Festes, auf welches sich jedermann gefreut hatte, zu beklagen, sondern der so
unerwartete Einbruch des Bluträchers konnte auch außerdem sehr leicht noch
Folgen haben, die jetzt nicht vorauszusehen waren. Ghulam stand im Rufe der
Grausamkeit, und als Grausamer war er feig. Die Feigheit greift sehr gern zur
Hinterlist. Was führte er im Schilde? Von den zwölf Reitern hatten einige das
Aussehen vornehmer Leute. Sie ritten teure Pferde. Wenn sie die Freunde des
Multasim waren und sich seiner Sache annahmen, konnte ihr Einfluss bei Hofe dem
Ustad und seinen Dschamikun wohl schädlich werden. Ich war außerordentlich
gespannt darauf, zu sehen, wie er sich überhaupt verhalten und was er im
Besondern zu der rohen und rücksichtslosen Entweihung seines Tempels sagen
werde. Konnte irgend eine Gelegenheit geeignet sein, ihn mir so zu zeigen, wie
ich ihn kennen lernen wollte, so war es die gegenwärtige hier.
    Einer von den zwölfen ritt einen hochgebauten turkmenischen Fuchs von, wie
es schien, hochedler Tiukihrasse. Er war ein schöner Mann von gegen sechzig
Jahren, schwarzgrau bebartet, sehr wohlhabend gekleidet und außer mit
ausgelegten Schiesswaffen mit einem krummen Säbel versehen, dessen von Steinen
blinkende Scheide für sich allein ein kleines Vermögen bedeutete. Ich habe
überhaupt keine besonders große Vorliebe für sogenannte schöne Männer, und wenn
sie sich selbst bei gewöhnlichen Gelegenheiten so herausputzen wie dieser hier,
so lasse ich sie am liebsten ihrer Selbstbewunderung über. Die wahre, edle
Schönheit bedarf des Putzes und des Tandes nicht.
    Dieser Mann war Ghulam el Multasim, der sich einbildete, mit zwölf Pferden
den ganzen Widerstand der Dschamikun niederreiten zu können. Er sah sich, sobald
sein Turkmene still stand, im Kreise um, nahm den Ustad scharf in das Auge und
fragte ihn in strengem Tone:
    »Wer bist du?«
    Der Gefragte tat, als ob er ihn weder gehört noch gesehen habe, als ob er
gar nicht vorhanden sei. Er sagte zum Pedehr:
    »Reinige den Tempel! Sobald ich zurückkehre, wird die Feier dieses
Freudentages beginnen.«
    Hierauf ging er langsamen Schrittes hinaus zu seinen Rosen.
    »Der ist taub!«
