 Stilpen ein herzliches Vergnügen, und er bedauerte fast,
dass das Programm des Momus so enge Grenzen hatte. dabei war er in Auslegung des
Begriffes Ästetisch keineswegs engherzig und legte es im Grunde mit »irgendwie
angenehm« aus. Nur mit Aufgebot von außerordentlicher Energie ließ er zumal
weibliche Artisten ziehen, wenn sie irgendwie angenehm auf ihn wirkten, und
gewaltig groß war die »Liste der für später notierten Mädchen«, die er zwar
nicht sogleich brauchen konnte, denen er aber mit väterlichem Wohlwollen
erklärte: Später peutêtre!
    Seine Hauptelfer waren der Zungenschnalzer und Marta die Muse. Diese
beiden besaßen die eingehende Fachkenntnis, die ihm, dem Organisator und
Neuschöpfer, doch abging.
    Der Zungenschnalzer wurde als »Choreograph«, Marta als »Direktrice für
Chanson und verwandte Gebiete« engagiert. Der Bärenführer, der Peripatetiker
und Kasimir konnten in festen Stellungen nicht verwandt werden, doch übten sie
das Amt lyrischer Lektoren aus.
    Kasimir stöhnte am lautesten unter dieser Bürde:
    - Lauter Joetes, Bacillenschwärme von Joetes; es ist sehr scheusslich.
    Und fortwährend zitierte er die ihm verfallenen Lyriker mit dem Tone
ironischer Ergriffenheit.
    Der Peripatetiker missbrauchte die ihm anvertrauten Gedichtblätter zu
Manuskripten, und der Bärenführer erklärte, dass er nur über solche Lyrik
objektiv urteilen könnte, der deutsche Briefmarken als Rückporto beigelegt
seien. Im Übrigen interessierte der ganze Momus diese Drei nur insofern, als sie
durchaus wünschten, auf dem Programm der Première zu stehen. Stilpe war auch
ganz damit einverstanden, nur waren die bis jetzt von ihnen vorgelegten
poetischen Erzeugnisse nach seiner Meinung noch nicht momusreif.
    - Druckreif und momusreif ist ein Unterschied, meine Süssen! Ihr seid noch
nicht auf der Höhe des Brettls, ihr seid noch zu papieren! rief er ihnen immer
wieder zu.
    Übrigens entschied er nicht allein darüber; Marta die Muse hatte das
Hauptwort dabei.
    Wie er mitten im vergnügtesten Korrespondieren war, trat sie ein:
    - Na, haben wir endlich ein paar Dichter?
    - Nee, ich glaube nicht. Wir müssen den Stil erst erfinden. Entweder fehlt
ihnen der Mut oder der Geschmack zum Gassenhauer. Blos der Zungenschnalzer hat
ein paar gute Sachen produziert, und das Schönste ist, dass er sie auch selber
singen kann. Er ist überhaupt unbezahlbar, und ich werde ihn zum Konrektor des
Momus ernennen. Er kann direkt Alles, nur muss man ihn eigentlich erst ein
bisschen kastrieren. Himmelschreiend diese Erotik! Die vier Tanzmädchen hat er
schon vollständig verdorben, und sie wollen nun schon gar nichts mehr anziehn.
Er übt jetzt ein Literaturballet mit ihnen ein und ist schon bei den
Romantikern: Pas de Tieck. Dann hat er mit den drei Poseusen eine herrliche
Nummer ausgeheckt: Das Heinedenkmal. Die Idee ist von mir, aber ich muss sagen
