 der selbst von größeren Politikern für nützlich erachtet wird, er
bereitete seine Pläne heimlich vor und überraschte durch Tatsachen.
    Bei solchem Stillleben war dem jungen Gelehrten der Verkehr mit dem
Professor das beste Vergnügen des Tages, seine Erhebung, sein Stolz. Er hatte
noch als Student die ersten Vorlesungen gehört, welche Felix Werner an der
Universität hielt. Allmählich war eine Freundschaft entstanden, wie sie
vielleicht nur unter hochgebildeten und wackeren Gelehrten möglich ist. Er wurde
der hingebende Vertraute für die umfangreiche Tätigkeit seines Freundes. Jede
Untersuchung des Professors und ihre Erfolge wurden bis auf Einzelheiten
besprochen, jede Freude, die ein neuer Fund machte, teilten die Nachbarn.
Täglich sahen sie einander, viele Abende vergingen ihnen in der schönen Art der
Unterhaltung, welche den Deutschen eigentümlich ist, in einem Gespräch, das
zwischen Erörterung und Geplauder schwebt, wo zwei Geister, welche beide die
Wahrheit suchen, sich im Austausch ihrer Ansichten gegenseitig fördern. Dann
rührte in Jedem, angeregt durch das feine Verständnis und die Einwürfe des
Andern, eine schöpferische Kraft kräftig die Schwingen, und blitzschnell und
ungeahnt öffneten sich dem Sprechenden und dem Hörer neue Gesichtspunkte, ein
tieferes Verständnis. Mit dem besten Teil ihres Lebens wuchsen Beide zusammen.
Freilich war Fritz als der jüngere auch der, welcher sich am meisten der
feurigen Natur des Freundes bequemte, er war mehr Empfänger als Gebender. Aber
gerade deshalb wurde das Verhältnis so fest und innig. Nicht ohne kleine
Störungen, wie das bei Gelehrten natürlich ist, denn beide waren von schnellem
Urteil, beide hochgespannt in den Forderungen, die sie an sich selbst und an
die Menschen machten, beide von seiner, leicht erregter Empfindung. Aber solche
Gegensätze wurden bald überwunden, sie trugen nur dazu bei, die liebevolle
Rücksicht, mit welcher die Freunde einander behandelten, zu vergrößern.
    Durch diese Freundschaft wurde das schwierige Verhältnis der beiden Häuser
ein wenig gemildert. Auch Herr Hummel konnte nicht umhin, dem Doctor eine kleine
Rücksicht zu gönnen, da sein hochverehrter Mieter den Sohn der Feinde
auffallend auszeichnete. Denn auf seinen Mieter ließ Herr Hummel nichts kommen.
Durch dunkles Gerücht war ihm verkündet, dass der Professor in seiner Art ein
berühmter Mann sei, und er war geneigt, irdischen Ruhm besonders hochzuachten,
wenn dieser bei ihm zur Miete wohnte. Auch war der Professor ein vortrefflicher
Mieter, er protestirte nie gegen eine Maßregel, welche Herr Hummel als oberste
Polizeibehörde des Hauses verfügte; er hatte Herrn Hummel einst wegen Anlage
eines Kapitals um Rat gefragt, er hielt nicht Hund nicht Katze, gab keine
Tanzgesellschaften, sang nicht zum Fenster hinaus und spielte auf keinem Flügel
Bravourstücke. Und was die Hauptsache war, er bewies gegen Frau Hummel und
Laura, wenn er ihnen einmal begegnete, eine ritterliche Artigkeit
