 zuweilen mehrere Male wiederholt. Zuletzt
konnte man mit freien Augen die Plätze, an welchen sich neue Farben befanden,
gar nicht mehr erkennen. Nur das Vergrösserungsglas zeigte noch die
Ausbesserungen. Wir brachten Jahre mit diesem Verfahren zu, besonders da
Zwischenzeiten waren, die mit andern Arbeiten ausgefüllt werden mussten, und da
unser Vorgehen selber Zwischenzeiten bedingte, in denen die Farben auszutrocknen
hatten, oder in denen man ihnen Zeit geben musste, die Veränderungen zu zeigen,
die notwendig bei ihnen eintreten müssen. Dafür aber war an dem vollendeten
Gemälde nicht zu merken, dass es nicht in allen Teilen ein altes sei, es hatte
die feinen Sprünge alter Bilder und hatte alle die Reinheit und Klarheit des
Pinsels, der es ursprünglich geschaffen hatte. Wenn man alte Bilder bei
Ausbesserungen übermalt und dadurch stimmt, so ist nicht selten ein Überzug über
die feinen Linien, welche die Zeit in alte Bilder sprengt, und dieser Überzug
zeigt nicht nur, dass das Bild ausgebessert worden ist, sondern er stellt auch
einen feinen Schleier dar, der über die Farben gebreitet ist und sie trüb und
undurchsichtig macht. Solche Bilder geben oft einen düstern, unerfreulichen und
schwerlastenden Eindruck. Es werden viele unser Tun in Herstellung alter Bilder
unbedeutend und unerheblich nennen, besonders da es so viele Zeit und so viele
Anstalten erforderte; uns aber machte es eine große und eine innige Freude. Ihr
werdet es gewiss nicht tadeln, da Ihr einen so großen Anteil an den
Hervorbringungen der Kunst zu nehmen beginnt. Wenn nach und nach die Gestalt
eines alten Meisters vor uns aufstand, so war es nicht bloß das Gefühl eines
Erschaffens, das uns beseelte, sondern das noch viel höhere eines Wiederbelebens
eines Dinges, das sonst verloren gewesen wäre, und das wir selber nicht hätten
erschaffen können. Als schon bereits einige Teile des Bildes fertig waren zeigte
es sich, dass die Farben reiner und glänzender seien, als wir gedacht hatten, und
dass das Bild einen vorzüglicheren Wert habe, als anfangs unsere Vermutung war.
So lange die vielen Sprünge und farblosen Stellen und so lange die unreinen
Flecke, die wir nicht hatten beseitigen können, auf dem Gemälde waren, übten sie
auch auf das Nichtzerstörte und sogar auf das sehr wohl Erhaltene einen Einfluss
aus und ließ es im ganzen missfärbiger erscheinen, als es war. Nachdem aber in
einer ziemlich großen Fläche die widerstreitenden Stellen mit den entsprechenden
Farben zugedeckt waren, und die neue Farbe die alte, statt ihr zu widersprechen,
unterstützte, so kam eine Reinheit, ein Schmelz, eine Durchsichtigkeit und sogar
ein Feuer zu Stande, dass wir in Erstaunen gerieten; denn bei starkbeschädigten
Bildern kann man die Folgerichtigkeit der Übergänge nicht beurteilen, bis man
sie nicht vollendet vor sich hat. Freilich mochte der besondere
