
schöne Bild, welches dem geneigten Leser gewiss bekannt ist. Es ist jener
herrliche Garten bei Florenz, wo an einem Springbrunnen die sieben schönen Paare
junger Mädchen und Männer in anmutigen Gruppen ruhen und der erwählten Königin
zulauschen, die erhaben zwischen ihnen sitzt, das schöne Haupt mit Blumen
bekränzt.
    »Ah!« machten sämtliche Damen, umringten in einem weiten Kreise das Bild,
und auch viele der jungen Herren streckten die Hälse vor, um sich einen
passenden Platz auszusuchen. Wenn es allen Wünschen der Anwesenden gemäß
gegangen wäre, so hätte man das Bild wenigstens achtmal besetzen können, denn da
war fast Keine, die sich nicht für berechtigt hielt, mindestens als Königin da
zu sitzen. Einige Ausnahmen fanden wohl statt, das waren aber schon Solche, die
mehrmals vorteilhaft beschäftigt waren, oder sehr ältliche Damen, in deren
Herzen aber jener angedeutete Wunsch zu Gunsten ihrer verschiedenen Töchter laut
wurde.
    Da Arthur bei mehreren Tableaux schon bewiesen hatte, dass er nicht zu
bestimmen war, von seiner Liste abzugehen, so wandten sich mehrere vorsorgliche
Mütter an die Kommerzienrätin, um eine Einsprache zu Gunsten ihrer Angehörigen
zu erwirken, wodurch die alte Dame in augenscheinliche Verlegenheit kam, denn es
waren zu wenig Figuren in dem Bilde, um allen diesen Privateinsprüchen genügen
zu können. Sogar der Obertribunal-Präsident ließ sich herbei, eine Figur als
äußerst passend für seine Emilie zu bezeichnen. Der junge Jagdhund verwandte
sich auf's Lebhafteste für seine Schwestern, so dass am Ende die Kommerzienrätin
in Folge aller dieser Bestürmungen ihren Sohn auf die Seite nahm und ihn in
ernsten und dürren Worten anwies, den billigen Wünschen einiger der vornehmsten
Damen, die sie ihm namentlich bezeichnete, nachzukommen und das Decamerone,
welches Tableaux den Glanzpunkt des Abends bilden sollte, nach ihrer Angabe zu
besetzen. Vergebens waren die Einwendungen Arthur's: Mama hob ihre Nase so hoch
als möglich in die Höhe und sagte kurz und bestimmt, sie habe schon während der
früheren Bilder sich manche Abänderungen seitens ihres Sohnes gefallen lassen,
diesmal aber beharre sie auf ihrem Wunsche, nötigenfalls Befehle, und wolle von
keiner Widerrede etwas wissen.
    Arthur dachte einen Augenblick nach, dann flog ein eigentümliches Lächeln
über seine Züge; er nahm seine Liste, änderte Einiges darin ab und bat die
zusammengedrängte Schaar der Damen und Herren um etwas Platz, damit er im Stande
sei, das Bild stellen zu können.
    Erwartungsvoll wich Alles aus einander, der junge Maler arrangirte die Sitze
auf der kleinen Estrade im Hintergrunde des Saales und sagte dann, nachdem er
einige Worte mit der Kommerzienrätin gesprochen, mit lauter Stimme: »Das
Decamerone ist ein Lieblingsbild von Mama, und hat sie die meisten Damen und
Herren, die darin vorkommen, selbst bezeichnet.«
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