 rechten Mittel ein, so dass unversehens die Bilder eine Farbe
bekamen, als ob er von jeher gut gemalt hätte und die Gewandtheit und
Zweckmässigkeit selber wäre. Dies machte ihm das größte Vergnügen, und er bereute
gar nicht, dass es das erste und letzte Mal sein sollte, wo er ein guter Maler
war, vielmehr dachte er schon während dieser Arbeit an die neue Zukunft, und
während er zweckmässige und besonnene klare Farben aufsetzte, gingen ihm
allerhand Gedanken von der Zweckmässigkeit des Lebens überhaupt durch den Kopf.
    Der Graf war kein Gelehrter, was man so heißt, aber er kannte den Wert und
die Bedeutung aller Disziplinen und wusste für das, wessen er bedurfte, sich das
Wesentliche sogleich zu beschaffen und anzueignen, und immer war bei ihm guter
Rat und ein gesundes menschliches Urteil zu finden. Demgemäss waren auch seine
Büchervorräte und andere Hilfsmittel beschaffen, so dass Heinrich ganz
ordentliche Studien betreiben konnte in den Mussestunden und den langen Nächten;
denn er war jetzt immer wach und munter, und eigentlich war ihm alles Mussezeit
oder alles Arbeitszeit, er mochte machen, was er wollte. Er studierte jetzt
verschiedene Geschichtsvorgänge ganz im einzelnen in ihrer faktischen und
rhetorischen Dialektik, und fast war es ihm gleichgültig, was für ein Vorgang es
war, überall nur das eine und alles sehend, was in allen Dingen wirkt und
treibt, und eben dieses eine packen lernend, wie die jungen Füchse eine Wachtel.
    Neben diesen erheblichen Sachen fand er noch in dem Hause die beste
Gelegenheit, manche gute und nützliche Dinge zu lernen, an welche er bisher
nicht gedacht und deren Mangel er erst jetzt bemerkte. Obgleich der Graf seiner
sogenannten radikalen Gesinnung und abweichender Handlungen wegen in der ganzen
Gegend bei Standesgenossen und anderen Respektspersonen verschrieen und verhasst
war, so hielt er doch einen gewissen Verkehr mit ihnen aufrecht und zwang sie,
während seiner Gegenwart wenigstens menschlich und möglichst anständig zu sein,
wobei ihn seine Pflegetochter mit geringer Mühe und großem Erfolge unterstützte.
So kam es, dass der Gehasste und Verleumdete doch überall willkommen war und die
verkommenen übelwollenden Gesichter gegen ihren Willen aufheiterte, so wie sie
sich auch etwas darauf zugute taten, in sein Haus zu kommen, und trotz ihres
Nasenrümpfens es nie verfehlten, wenn er von Zeit zu Zeit die Pflichten der
Nachbarschaft übte. Heinrich, als aus den mittleren alten Schichten des Volkes
entsprungen, hatte bis jetzt dergleichen nicht geahnt oder geübt. Wen er nicht
leiden konnte, mit dem ging er nicht um und war gewohnt, seine Abneigung wenig
zu verhehlen sowie auch jede Unverschämtheit sogleich zu erwidern und nichts zu
ertragen, was ihn nicht ansprach. Diese Volksart, an sich gut und tugendhaft,
ist in der gebildeten Gesellschaft hinderlich und unstattaft, da in dieser
wegen der
