 da sein für Sie Alle!
Alle Kirchenväter, alle Streitschriften der Jesuiten; aber auch alle Werke
Voltaire's, Hume's, Locke's und wiederum alle Predigten Bossuet's. Ich wette,
Freund Voland liest da nicht einmal die Kirchenväter! Ebensowenig, wie ich Ihnen
gestehe, lieber Rochus, dass ich die Maurerreden in den deutschen Klassikern ...
immer übersprungen habe.
    Mit einem ganz natürlichen Instinkt, lieber Dystra, nahm der General den
Gegenstand wieder auf. Sie haben wahrscheinlich immer gefühlt, dass diese
Maurerreden in der Tat Dasjenige, was wir an Herder und Goethe bewundern, nicht
ausdrücken. Wahrlich, durch diese Reden ist Das nicht hindurchgegangen, was an
unsern deutschen Klassikern so groß, so befruchtend war. Ich will nicht von der
romantischen Schule sprechen und den Nachdruck darauf legen, dass man sich Tieck,
Schlegel, Brentano, Novalis, Schenkendorf nicht als Maurer denken kann. Aber
auch Jean Paul, Herder, Goethe! Jean Paul, der Herrliche, Geistesreiche, trug in
Alles seine bedeutsame, kindliche Auslegung hinein. Herder ist nur befruchtend
und anregend gewesen in den Bestrebungen, die ihn uns als den Erwecker der
verstummten Völkerstimmen zeigen. Goethe vollends als Maurer hat sich im
Grosskophta selbst persiflirt, wie er sich im zweiten Teil des Faust als
Minister persiflirte. Der große allgewaltige Olympier, den wir in ihm bewundern,
hat mit der Loge nichts gemein. Man zeigte mir einmal in Weimar Goethe's
Schurzfell; es hat mich nicht erbaut.
    Ebensowenig, bemerkte Rudhard, wie mich der Franziskanerstrick erbauen
würde, den Zacharias Werner in Wien trug.
    Diese Entgegnungen waren wieder herausfordernd. Der General warf einen
scharfen Blick auf den Ritter, der sich inzwischen besonnen zu haben schien und
seiner öffentlichen Funktionen eingedenk wurde. Rochus von Westen, der mit
Voltaire'schem Esprit Zacharias Werner'sche Zeitauffassung vertreten musste,
schwieg ...
    Sehen Sie, wandte sich Dystra jetzt zu Louis Armand, Das sind die
Gegensätze, die uns dies sonderbare Deutschland so verworren erscheinen lassen!
Ich bin durch die halbe Welt gereist, habe die Pyramiden Ägyptens und die heißen
Fontainen in Island gesehen, überall streitet man sich, aber nirgends so viel
wie in Deutschland und nirgends spukt noch das tolle Ritter-und Mönchswesen wie
bei uns, während unsre ganze Tournierfähigkeit jetzt kaum noch darin besteht,
dass wir im Lesekasino ... wissen Sie, Rochus, worin wir uns im Kasino als die
letzten Ritter erscheinen müssen?
    Man horchte gespannt ...
    Unser letztes Rittertum besteht in dem Rest der Kunst des Ringelstechens,
vermöge dessen wir die Journale, die wir gelesen haben, wieder an die Haken
hängen, von wo wir sie herabgenommen. Meine Ahnen können nicht künstlicher
