 Sind die größten
Geister der Literatur ohne den Zusammenhang mit den Logen zu denken? Lessing,
Herder, Wieland, Goethe waren Logenbrüder. Der hohe Geist, der in ihnen wirkt,
pflanzte sich durch die geheime Verbrüderung gleichgestimmter Seelen rascher
fort als auf der freien Arena des Marktgewühles, wo die Kritik und der Neid der
Schulen ihr Wirken begeiferte ...
    Der General blickte lächelnd auf den Ritter, in dem sich der alte,
vorurteilslose Gelehrte regte. Alle staunten, Niemand mehr als Dankmar, der,
ein einfacher Referendar, so in die Lage kam, einen berühmten Diplomaten einmal
frisch von der Leber weg reden zu hören. Man sah die Wirkung der Tafel, der
Natürlichkeit des Wirtes. Die Reserve war aufgehoben. Es regte sich in dem
Gesandten »wie der Wein im Fasse, wenn die Reben blühen.«
    Er vergaß, welche Tatsachen er in der Welt zu verteidigen hatte und welche
Grundsätze ihm bezahlt wurden.
    Dystra hielt es seiner Wirtspflicht für angemessen, den Ernst dieser
Unterhaltung, die für Louis und Dankmar grade in den Gegensätzen so spannend
war, etwas zu mildern und sagte:
    Ich versichre Sie, meine Herren, wenn ich den Tempelstein accaparire - ich
hoffe, Freund Voland, Sie verwenden Ihren Einfluss, dass mir dies Vorhaben gelingt
- so werd' ich dort weder einen Jesuitensitz noch eine Freimaurerloge etabliren,
sondern auf die alten Zeiten zurückkehren und mich an das Sprichwort halten, das
Rudhard vorhin erwähnte: Er trinkt wie ein Templer!
    Man lächelte ...
    Diese alten Templer waren viel vernünftigere Personen als Eure Loyoliten und
Eure Salomonischen Meister vom Stuhle! fuhr Dystra fort. Sie liebten die Freude,
den Wein, den Gesang, die Weiber! Sie bauten sich Werbeplätze für den
Sarazenenkrieg, exercirten die Mannschaften und blieben zuletzt zu Hause! Sie
wählten sich die besten Aussichten zu ihren Burgen und Abteien. Sie hatten
Geschmack für natürliche Veduten. Die Sünden, die sie als Ritter begingen,
konnten sie sich als Priester gleich selbst wieder vergeben. Ich finde, dass die
Wiederherstellung dieses Ordens im uralten Sinne mir eine liebe Aufgabe auf dem
Tempelstein sein könnte. Ich baue die Ruine aus, trotz Rheinstein und
Stolzenfels. Die Erker, Türmchen, gezackten Mauern behalt' ich bei. Der
Burggarten mit Springbrunnen, die Altanen, Söller, das Alles waren sehr amüsante
Ideen des Mittelalters. Nur in dem Burgverliesse würde ich vorziehen, meinen
Champagner kühl und petillant zu erhalten. Die steinernen Fussböden würd' ich mit
wärmern Parquets vertauschen. Die Öfen würd' ich mir in neuester Konstruktion
ausbitten und vielleicht, um mich ganz mit dem Mittelalter zu befreunden, eine
Petersburger Lufteizung versuchen. Hinten auf der Abtei mach' ich eine bequeme
Neusiedelei mit englischem Komfort. Eine Bibliothek soll
