 Dir herabgelassen - aber edel wär's, wenn Du auch Etwas
wagtest, sie Dir zu erkämpfen, und was außerdem vielleicht misslänge, würde durch
die Liebe gelingen! Ich lasse Dich mit Deinem Herzen und Deinem Verstand allein
- die werden Dir's noch deutlich vortragen, wie ich's meine.«
    Er ging.
    Franz war wieder allein in seinem Kämmerchen, allein mit dem aufgeregten
Innern, in dem jetzt Wilhelm geschickt einen neuen Kampf aufgeregt hatte.
    Daran hatte Franz noch nicht gedacht, was Jener jetzt mit rohen Worten und
plötzlich angeregt hatte.
    Als der Mann des Volkes mit sich gerungen und all' jene Versuchungen
bekämpft hatte, welche in ihm selber rege geworden, oder von außen zu ihm
herangetreten waren, so hatte er immer nur das große Ganze vor Augen gehabt, er
hatte niemals an den besonderen Fall, niemals gerade an sich selbst, seine
eignen Verhältnisse und seine nächste Umgebung gedacht. Er hatte sich nur als
Einen betrachtet, der, aus der Masse des verdumpften Volkes aufgewacht,
gewahrte, wie er und Alle, welche in Armut und Niedrigkeit bei drückender
Arbeit beschwerliche Tage abhaspelten, um die einfachsten Menschenrechte
gebracht seien. Er bemühte sich, dies verlorene heilige Eigentum vieler
Tausende wieder erringen zu helfen, indem er die Not der Arbeiter vor aller
Welt erzählte, indem er durch den Verein der jungen Arbeiter unter diesen selbst
sittliche und bessere Elemente zu ihrer Geltung zu bringen suchte. Als nun jenes
anonyme Schreiben mit seinen verführerischen Teorieen, seiner glänzenden
Veredtsamkeit und seinen goldnen Verheißungen ihn so erschütterte - ganz neue
Gesichtskreise ihm aufschloss und ihm die Weit durch ein seltsam verkehrt
geschlissenes Glas ansehen ließ, dass er Mühe hatte sich mit seiner geistigen
Anschauung noch in dieser wirr gewordenen und verrückten Weltordnung zurecht zu
finden - als er darin weiter den offenbaren Aufruf zur Empörung und Grwalt
gelesen - so hatte er dies Allgemeine noch immer nicht auf seine besonderen
Verhältnisse bezogen.
    Er war einige Augenblicke schwenkend geworden - er hatte so viel neue
Lebensansichten vernommen, wie sie ihm bisher noch niemals durch die Seele
gezogen waren, und er musste ihnen erst genau in die Augen sehen, ehe er sie
verwerfen, eh' er die unreinen Geister, welche sich an ihn herandrängten, von
sich stoßen und verdammen konnte. Er hatte nur geprüft, ob diese neue
Weltanschauung die rechte sei, oder seine alte - und da er erstere falsch
gefunden, hatte er sich mit Abscheu von ihr abgewendet. Es war ihm nicht
gelungen, Wilhelm zu einer gleichen Überzeugung zu bringen, das hatte Franz für
Wilhelm mitleidig gestimmt, aber diesen gegen ihn erbittert. Sie waren nun
einander Gegner geworden, denn wenn Wilhelm unter den Kameraden die Ansicht zu
verbreiten suchte, dass sie auch recht gut wie die
