 und breit, dass man die Farbe des Sammets nur bei einer Wendung in den
hinteren Falten sehen konnte. Das Unterkleid dagegen zeigte auf Drapd'or den
ganzen Wahnsinn des damaligen Geschmackes, indem mit bunter Folie, Perlen und
Juwelen eine Landschaft darauf gestickt war, der es weder an Türmen, noch
Bäumen, noch an der gehörigen Staffage von Menschen, Hunden und den
verschiedensten Tieren des Waldes fehlte.
    Der Aufwand einer solchen Kleidung, zu welcher noch die reichsten Aufsätze
und die kostbarsten Geschmeide gehörten, überstieg allen flüchtigen Modewechsel
späterer Zeiten; und es fanden sich nur wenige Damen unter dem reichsten Adel,
welchen es gestattet war, mehr wie zwei oder drei Galla-Anzüge ihr Lebenlang zu
besitzen. Doch auch in dieser Beziehung war die Marschallin eine von den
Begünstigten, welche ihre Toilette bei jeder sich zeigenden Veranlassung in eine
neue Form zu bringen wusste, und zwar mit der vollkommen gleichgültigen Miene,
welche diese Angelegenheit bloß zu einem Geschäfte ihrer Kammerfrauen herab
wies, das ihre Beachtung wenig verdiene.
    Doch sah man bei den Festen der Marschallin jedenfalls ein unverkennbares
Streben der erscheinenden Damen, der Frau vom Hause ihr Übergewicht bestreiten
zu wollen; und es war eine wohl aufgenommene Artigkeit, wenn man versicherte,
dass sich nirgends eine höhere Eleganz der Damen zeigte, als in ihren Salons.
    Wir beschränken uns jedoch auf die gegebenen Andeutungen. Der Glanz
einzelner Personen, das Zusammenwirken einer solchen bunten, strahlenden Masse
wird sich uns von selbst aufnötigen, und wir bezeichnen nur noch eine junge,
heiter lächelnde Mädchengestalt, die, sich an dem Stuhle der Marschallin lehnend
und den leicht gegebenen Winken derselben folgend, jeden Ankommenden mit den
respektueusen Verbeugungen der Jugend begrüßt. Es ist Mademoiselle Louise, die
Tochter der Marschallin, welche der bequeme Vorwand für die Absichten ihrer
Mutter ward; da allerdings nach einer Präsentation bei Hofe, die Etikette eine
Reihe von Festen verlangte, welche die Freude über einen solchen Vorzug sowohl
dem Adel, als vor Allem dem Könige darlegen musste.
    Am heutigen Tage nahm die Marschallin indessen noch außerdem mit besonderem
süßem Lächeln und einer Bewegung des Fächers, die allgemein bewundert ward, da
sie einen sanften Schmerz ausdrücken sollte, die Gratulationen über die Genesung
des Marschalls an, und sie erwähnte gegen einzelne Auserwählte, dass selbst Ihr
Majestäten sich ihrer liebsten Umgebungen beraubt hätten, um ihr Glück wünschen
zu lassen.
    Auch konnte gewiss nur die finstere Herzogin von Bellefond, welche selbst
außer den Zimmern der Königin nie ohne ihren kleinen Elfenbeinstab erschien, der
ihr als Oberhofmeisterin gebührte, mit der Frau Marschallin den Platz unter dem
Tronhimmel teilen; da sie gewissermaßen durch ihren besonderen Auftrag von
Seiten der Majestäten zu einer geheiligten Person erhoben war.
    Zur andern Seite stehend, befand sich der Marquis von Vieuville, der
