 bald aus seinem Gemüte. Er war
sogar auf gutem Wege, eines der eifrigsten Mitglieder des Bundes zu werden, ohne
durch so manches, was ihm anfangs als abschreckend erschienen war, sich weiter
irren zu lassen. Sogar die unbedingte Unterwerfung unter die Beschlüsse und
Anordnungen des Rates der Alten, welche er hatte geloben müssen, machte ihm
keine Sorge mehr.
    Im Militairdienste war die Notwendigkeit strenger Subordination, sobald es
gilt, die Gesammtkräfte vieler tausend Einzelner zur Ausführung eines großen
Zweckes zu vereinen, ihm deutlich geworden; und was für Männer standen an der
Spitze dieses sogenannten Rates der Alten, dem er blinde Unterwerfung gelobt!
    Fürst Andreas, seine Söhne, die nächsten Verwandten und Freunde seines
Hauses, anerkannt edle Männer, an Rang, Ansehen, und warmer Begeisterung für das
Wohl des Vaterlandes ihm gleich. Wo diese walteten, musste jede Spur von
Besorgnis verschwinden. Wie hätten sie, wie hätte Fürst Andreas, etwas dem
allgemeinen Besten, oder dem mit diesem so enge verbundenen allgeliebten Kaiser
Gefahrdrohendes geschehen lassen oder gar anordnen können!
    Im Verlaufe der Zeit würde Richard seinen Eintritt in den Bund, vielleicht
sogar die Existenz desselben ganz vergessen haben, hätte nicht der ihm so groß,
so ungemein wünschenswert erscheinende Zweck desselben, ihn auf das lebhafteste
unaufhörlich beschäftigt.
    Die Versammlungen des Bundes wurden immer seltener; Monate gingen oft darüber
hin, ohne dass Richard aufgefordert wurde in denselben zu erscheinen, und fast
immer kehrte er mit dem bitteren Gefühle zwecklos verlorner Zeit nach Hause
zurück. Die Anordnung feierlicher, Sinne betäubender Zeremonien zur Aufnahme
neuer Brüder, die ohne sonderliche Auswahl, augenscheinlich nur, um die Zahl der
Mitglieder zu vergrößern, schaarenweise herbeigezogen wurden, schien jetzt die
einzige Beschäftigung jener Versammlungen geworden zu sein.
    Diese Neuangeworbenen, deren Anzahl sich bald bis ins Unglaubliche
vergrößerte, waren größtenteils junge Leute, die gar nicht begriffen, gar nicht
wussten, wovon eigentlich hier die Rede sei, auch gar nicht verlangten dieses zu
ergründen; sondern, entweder vom Reize des geheimnisvoll Feierlichen angezogen,
oder auf Zureden und nach dem Beispiele ihnen ähnlicher Freunde in den Bund sich
hatten aufnehmen lassen, ohne etwas andres dabei sich zu denken, als was sie
auch bei jeder andern geschlossnen Gesellschaft sich gedacht haben würden.
    Ein großer Teil derselben bestand aber auch aus Soldaten, guten ehrlichen
Gemütern, die auf Treu und Glauben hinnahmen, was man unter dem Siegel des
Geheimnisses ihnen flüsternd vertraute: dass Kaiser Alexander selbst um alles
wisse, alles leite, nur ihren Vorteil dabei beabsichtige, aus politischen
Gründen aber noch nicht öffentlich auftreten wolle. So eingewiegt von goldnen
Hoffnungen, waren sie darauf gefasst und bereit, sich zu allem was von ihnen
gefordert werden würde herzugeben; als blindes Werkzeug höherer Gewalten alle
ihre Kraft, und
