 so am besten andeuten konnte, in welchem Sinne jede
Rolle gefasst, und in welcher Spiel- und Tonart sie gesprochen und dargestellt
werden müsse. Elsheim, der die Komödie genau kannte und liebte, fühlte sich doch
überrascht, weil ihm jetzt zum erstenmal die harmonische Einheit, die hohe
Vollendung dieses Kunstwerks deutlich wurde. Als Emmrich geendigt hatte, sagte
er: »mitteilen? So schön dieses Gedicht in sanften Reden von Liebe Sehnsucht und
poetischen Träumen duftet, so weht doch durch den ganzen Blumenstrauß ein leiser
Zephyr ebenso anmutig in feiner Ironie, und er ist es eben, der, die
Blütenkränze anregend, ihnen diesen süßen Atem entlockt. Es scheint, in unserer
Zeit wenigstens, den meisten Poesiefreunden zu schwer, zum Teil unmöglich, sich
diese Lieblichkeit und Fülle im Vortrage dieses leichten und doch bedeutsamen
Scherzes anzueignen. Unsere Bildung hat etwas Prunkendes, Schwerfälliges, und
die sich für leichtfertig oder für freigeistige Libertins geben, hantieren in
ihrem traurigen Gewerbe ebenso steif und altklug, indem sie alles Ernste und
Poetische mit grobem Hohn von sich abweisen. Jene Zeiten, die wir in unserm
Dünkel gern barbarisch schelten möchten, waren in dieser Hinsicht feiner
gestimmt, denn sonst hätte dieses Stück, sowie die Sommernacht, der Liebe Müh
und Wie es euch gefällt, nicht zu Lieblingsstücken werden können. Hat auch kein
anderer Zeitgenoss, außer Shakespeare, diese himmelreine äterische Höhe
erstiegen, so grenzt doch manches Werk jener Tage an die seinigen, und wenn auch
die Zuschauer diesen Lebenswein nicht mit vollem Bewusstsein einschlürften, um
genau zu wissen, was sie tranken, so ist doch der Instinkt, das Gefühl und die
reine Luft sehr hochzustellen, mit der sie diese Kunstwerke, vielleicht ohne
alle Kritik, genossen«.
    »Ein wahres Publikum«, sagte Elsheim, »sollte wohl immer so sein, wie Sie es
da eben beschreiben, der echte Dichter könnte sich wenigstens kein besseres
wünschen. Sind noch einige wahre Kenner in diesem Parterre, die diese Gefühle
erläutern, anstatt sie irrezuführen, so ist eigentlich eine wahre Kunstzeit
repräsentiert.«
    »Das Stück heißt«, fuhr Emmrich fort »ein Drei-Königs-Abend oder eigentlich
bloß Twelf-night. Ein alter Gebrauch hatte an diesem Abend eine Menge Späße,
Scherze, Verkleidungen ländlicher, mitunter etwas roher und bäuerlicher Feste
erlaubt aber für diese Stunden auch alle Hazard-Spiele, welche sonst streng
verboten waren. Selbst am Hofe huldigte man der alten Sitte und Freiheit. An
diesem Abend wurde also vielleicht auch dieses sonderbare Lustspiel, welches
lauter Glücksfälle enthält, zuerst gespielt, es war also die Lust eines
Drei-Königs-Abends, an welchem auch der Bohnenkönig durch Lotterie erwählt oder
gefunden ward; eine solche heitere Torheit losgebundener Laune sollte es
