 unsern
Tagen manche hochbegabte Geister nicht losmachen, die für Stimmführer der
bessern Zeit und Einsicht gelten wollen.«
    Hier wurden sie unterbrochen, indem Elsheim hereintrat, welchem der
Schulmeister folgte.
    »Ich bringe hier einen Supplikanten«, sagte Elsheim lachend, »der sich
durchaus nicht will abweisen lassen.«
    »Ja wohl«, sagte der Schulmeister; »ich habe nämlich gehört, dass wieder eine
Komödie im Werk ist, und nun sagt mir der Herr Baron, dass Sie, Herr Professor,
das Ding diesmal unumschränkt dirigieren, dass er nichts dabei zu befehlen habe,
dass ich aber keine Rolle darin bekommen soll, da ich mich doch bei der vorigen
Aufführung gewiss zu meinem Vorteil ausgezeichnet habe.«
    »Lieber Mann«, sagte Emmrich, »Sie haben gewiss recht wacker agiert, aber
unser Herr Baron wünschte doch deswegen hauptsächlich Ihren Beistand, weil
Selbitz mit einem Stelzfuss auftreten muss; dieser qualifizierte Sie gleichsam von
Natur zu jener Rolle; in dem Lustspiel aber, welches wir jetzt geben wollen,
erscheint kein Mann mit dieser Verstümmelung.«
    »Lassen Sie sich dienen«, erwiderte der Schulmeister mit der größten
Lebhaftigkeit. »Unser junger Herr Baron hat das Stück vom Götz recht sehr hübsch
eingerichtet, abgekürzt und umgearbeitet, damit wir es auf dem Theater spielen
konnten. Das muss so höre ich und habe es auch gelesen, immerdar mit so
widerhaarigen Dingen geschehen, die in unsern Zeiten, da wir viel feiner sind,
erst eine anständige Frisur erhalten müssen. Mit dem britannischen wunderlichen
Poeten ist das aber am allernötigsten und geschieht auch immer von einsichtigen
Leuten. Ich habe mir nun das Buch geben lassen und das schnurrige Ding gelesen.
Es ist freilich nicht viel dran, es ist sehr leichte und lose Ware; indessen da
Sie, geehrter Herr Professor, einmal eine Vorliebe für die schnakische Komödie
haben, so bin ich gekommen, Ihnen einen recht akzeptablen Vorschlag zu tun, der
Ihnen auch Ehre bringen wird. Als der Häscher oder Gerichtsfron nämlich den
alten Antonio, den Seecapitain, seinem jungen Herzoge als Gefangenen vorstellt,
sagt er unter andern Worten auch ungefähr so: Das ist der Antonio, der den
Phönix enterte, wo Euer junger Neff ein Bein verlor. - Die Rede ist mir gleich
aufgefallen. Setzen wir statt dessen: wo Euer alter Ohm ein Bein verlor, und
bringen Sie so, verehrter Herr Professor, mir und der Komödie zuliebe einen
alten, tüchtigen, tapferen und welterfahrenen Mann in das Stück, der wieder, wie
Selbitz, einen Stelzfuss haben kann und muss. Begreifen Sie nur, Herr Professor,
dass es überhaupt in dem Stück an einem verständigen Manne fehlt, denn die
meisten sind wirkliche Narren. Dieser Oheim kann also klüger sein,
