, ja sogar Zeichner und Maler
gemacht worden.
    Als er sich bei einigen Vorstehern nach den Mitteln erkundigte, welche diese
Verwandlung bewerkstelligt hatten, sagten sie, dass nichts leichter gewesen sei.
Man habe von fernher geschickte Leute des Fachs kommen lassen, welche ihre
Kunststücke anfangs wie zum Scherz auf Tanzböden und in Schenkstuben vorgewiesen
hätten. Alsobald sei der Nachahmungstrieb, besonders bei den jüngeren Leuten,
rege geworden, da man denn hauptsächlich auf die zweiten und dritten Söhne der
Hofesbesitzer Augenmerk genommen habe, welche, zum Dienen bestimmt, unzufriednen
Geistes, sehr froh gewesen wären, einen lohnenderen und ehrenvolleren Erwerb zu
finden.
    »Auf diese Weise«, sagten die Vorsteher, »hatten wir in wenigen Jahren aus
den Bewohnern der Gegend selbst unsre Pflanzschule herangebildet. Nun sind von
den damaligen Lehrlingen die Geschicktesten schon wieder als Lehrer in die
Fremde gegangen. Es ist zugleich hier ein neues Geschlecht entstanden, ein
Mittelstand neben der bäuerlichen Aristokratie, ähnlich den englischen
Verhältnissen. Der Erstgeborne erbt den Hof, und wird nach dem Hofe benannt,
setzt also auch eigentlich allein die Familie fort, die andern Söhne und die
Töchter gehen in die Fabriken, und legen sich in der Regel von ihrer
Beschäftigung neue Namen bei, gegen das Zeugnis des Kirchenbuchs, und ohne dass
die Verbote der Obrigkeit, welche daraus allerhand Verwirrungen befürchtet,
etwas fruchten wollen.«
    Musste Hermann diesen Ausweg für eine Menge durch die Geburt hintangesetzter
Menschen sehr erspriesslich finden, und sah er auf allen Maschinenstätten, in
jedem Lager und Speicher die größte Ordnung und Nettigkeit, wurde es ihm hier
recht klar, welch ein großes Ding das Geld, und ein diese Weltkraft bewegender
verständiger Geist sei, so fehlte auf der andern Seite viel, dass ihn alle die
nützlichen und lehrreichen Anschauungen, welche er auf dieser Wanderung
einsammelte, erfreut hätten. Vielmehr empfand er einen tiefen Widerwillen gegen
die matematische Berechnung menschlicher Kraft und menschlichen Fleißes, gegen
die Verdrängung lebendiger Mittel durch tote, und er konnte dieses Gefühls nicht
Herr werden, so bedeutende Resultate er auch vor Augen sah, so große Achtung er
vor dem Oheim und seinen Helfern haben musste.
    Abschreckend war die kränkliche Gesichtsfarbe der Arbeiter. Jener zweite
Stand, von welchem die Vorsteher geredet hatten, unterschied sich auch dadurch
von den dem Ackerbau Treugebliebenen, dass seine Genossen bei Feuer und Erz oder
hinter dem Webstuhle nicht nur sich selbst bereits den Keim des Todes
eingeimpft, sondern denselben auch schon ihren Kindern vermacht hatten, welche,
bleich und aufgedunsen, auf Wegen und Stegen umherkrochen. Wie die beiden
Beschäftigungen, die natürliche und die künstliche, dem Menschen zuschlagen, sah
Hermann in diesem Gebirge oft im härtesten Gegensatze. Während er hinter den
Pflügen Gesichter erblickte, die von Wohlsein strotzten, nahm er bei
