, und ließ es in der Baltimorer
Zeitung abdrucken, von wo es denn wieder dem Tyrannen zu Ohren kam; daher sein
Hass auf mich, der mich etwas in den Bemühungen störte, die ich dazumal noch
immer dem Tristan zugewendet hatte. Ich habe zuerst auf dieses Gedicht
hingewiesen, worin süße Frische, Lüsternheit und Unschuld den Becher mit
bezauberndem Getränk füllen, unerwartet fand ich vor einigen Monaten eine
dritte, weder von Ulrich noch von Heinrich herrührende Fortsetzung, deren
Verfasser ich noch nicht habe entziffern können; es ist sehr leicht, bei diesem
Gedichte an Ariost zu denken, aber welch ein Abstand!«
    Er war hierauf im Begriff, das erste Buch des Ariost auswendig herzusagen,
als man ihn erinnerte, dass er von einem Einflusse haben reden wollen, der die
Alten verdrängen werde. Er besann sich, und führte nicht ohne Beredsamkeit aus,
dass in dem mit so regem Eifer erwachten Studium des Orientalischen sich die
gemeinte Wirkung anzudeuten scheine.
    »Die Modernen sind einmal Aneigner und Verarbeiter«, sagte er. »Seitdem
Petrarca sein Gedicht Africa schrieb und es über die süßen Reime stellte, die
ihn unsterblich gemacht haben, ist nun ein halbes Jahrtausend verflossen. Mich
dünkt, es wird Zeit, sich nach einem andern Kompendium umzusehen, und welches
Füllhorn neuer Begriffe, wunderbarer Anschauungen öffnet uns der Orient! Ich
arbeite an einem Werke über die Elefanten und über die Bedeutung dieses Tiers in
den Epen vom Ganges. Der Mahabharata, der Ramayana, der Brahma-Purana ...«
    »Quousque tandem ...« murrte der Rektor. »Ich kann über diese Dinge nicht
gelehrt mitsprechen, weil ich sie nur aus Exzerpten und Rezensionen kenne. Aber
was darin steht, macht mich nach dem übrigen nicht lüstern. Monstrum informe,
ingens, cui lumen ademtum! Ich glaube, dass der Inhalt jener Gedichte, alle die
Tiger, Affen, Gänse, Gazellen, die ungeheuerlichen Büssungen, welche eintreten,
wenn einer ausspuckt, oder sonst etwas Natürliches verrichtet, wo er es nicht
soll, weil irgendein Ölgötz mit Schweinsrüssel im Tulpenkelch sitzend, dies
nicht leiden kann, dass, sage ich, alle diese riesenhaften Puerilien der Welt
nicht so viel Licht geben, als der letzte der Klassiker in einer schlechten
Waisenhauser Ausgabe ihr geschenkt hat. Übrigens wird das alles auch nur dicis
causa traktiert, ich weiß es wohl, und im Grunde ist's verkappter Katholizismus,
der mit uraltem Bonzen-und Pfafftume eingeschwärzt werden soll. Aber:
Tumm machen lassen wir uns nicht,
Wir wissen, dass wir's werden sollen!«
Diese sonderbare Grille des Rektors gab nun Veranlassung zu noch heftigeren
Debatten, in welchen der Hindu zuletzt den begeisterten Anhänger der
evangelischen Lehre spielte, obgleich
