 die
vorzüglichsten Bühnen versprach.
    Dem ganzen Personale aber, das dem merkwürdigen Duell angewohnt hatte, gab
ich einen trefflichen Schmaus, wobei auch mein Gegner und seine Gesellen nicht
vergessen wurden. Dem ehemaligen Theologen zahlte ich nachher in der Stille
seine Schulden, und versah ihn, als er genesen war, mit Geld und Briefen, die
ihm eine fröhliche, glänzende Laufbahn eröffneten.
    Meine geheime Wohltätigkeit war so wenig, als der glänzende Ausgang meiner
Affäre ein Geheimnis geblieben. Man sah mich von jetzt wie ein höheres Wesen
an, und ich kannte manche junge Dame, die sogar über meine großmütigen
Sentiments Tränen vergoss.
    Die Mediziner aber ließ mir durch eine Deputation einen prachtvollen
Schläger überreichen, weil ich mich, wie sie sich ausdrückten, »für den guten
Geruch ihrer Anatomie geschlagen habe«.
    Die Welt bleibt unter allen Gestalten die nämliche, die sie von Anfang war.
Dem Bösen, selbst dem Unvernünftigen huldigt sie gerne, wenn es sich nur in
einem glänzenden Gewande zeigt; die gute, ehrliche Tugend mit ihren rauen
Manieren und ihrem ungeschliffenen, rohen Aussehen wird höchstens Achtung,
niemals Beifall erlangen.
 
                                Neuntes Kapitel
                        Satans Rache am Dr. Schnatterer
Als ich sah, wie weit die Philosophie und Theologie in .....en hinter meinen
Vorstellungen, die ich mir zuvor gemacht hatte, zurückbleibe, legte ich mich mit
Eifer auf Ästetik, Rhetorik, namentlich aber auf die schöne Literatur. Man
wende mir nicht ein, ich habe auf diese Art meine Zeit unnütz angewendet. Ich
besuchte ja jene berühmte Schule nicht, um ein Brotstudium zu treiben, das
einmal einen Mann mit Weib und Kind ernähren könnte, sondern das »dic-cur-hic«
das ich recht oft in meine Seele zurückrief, sagte mir immer, ich solle suchen,
von jeder Wissenschaft einen kleinen Hieb zu bekommen, mich aber so sehr als
möglich in jenen Künsten zu vervollkommnen, die heutzutage einem Mann von
Bildung unentbehrlich sind.
    Bei Gelegenheit eine Stelle aus einem Dichter zu zitieren, über die
Schönheit eines Gemäldes kunstgerecht mitzusprechen, eine Statue nach allen
Regeln für erbärmlich zu erklären, für die Männer einige teologische Literatur,
einige juridische Phrasen, einige neue medizinische Entdeckungen, einige
exorbitante philosophische Behauptungen in petto zu haben, hielt ich für
unumgänglich notwendig, um mich mit Anstand in der modernen Welt bewegen zu
können, und ohne mir selbst ein Kompliment machen zu wollen, darf ich sagen, ich
habe in den paar Monaten in .....en hinlänglich gelernt.
    Ich habe mir nach dem Beispiel meiner großen Vorbilder im Memoirenschreiben
vorgenommen, auch die geringfügigsten Ereignisse aufzuführen, wenn sie lehrreich
oder merkwürdig sind, wenn sie Stoff zum Nachdenken oder zum Lachen enthalten.
Ich darf daher nicht versäumen, meine
