 diesem unheiligen Ort? und jene Dame, mit welcher er spricht,
wie oft habe ich sie gesehen und gesprochen! Sie war eine liebenswürdige fromme
Schwärmerin, ging lieber in die Dreifaltigkeitskirche als auf den Ball - sie
starb, und wir alle glaubten, sie werde sogleich in den dritten Himmel schweben,
und jetzt sitzt sie hier im Fegefeuer! Zwar wollte man behaupten, sie sei in
Töplitz an einem heimlichen Wochenbett verschieden, aber wer ihren frommen
Lebenslauf gesehen, wer konnte das glauben?« -
    »Ha! die Nase von Frankreich!« rief auf einmal der Baron mit Ekstase.
»Heiliger Ludwig, auch Ihr, auch Ihr unter Euren verlorenen Kindern? Ha! und
ihr, ihr verdammten Kutten, die ihr mein schönes Vaterland in die Kapuze stecken
wollt. Sehen Sie, Mylord, jene hässlichen, kriechenden Menschen? Sehen Sie dort
- das sind berühmte Missionäre, die uns glauben machen wollten, sie seien
frömmer als wir. Dem Teufel sei es gedankt, dass er diese Schweine auch zu sich
versammelt hat.«
    »Oh, mein Herr«, sagte ich, »das hätten Sie nicht nötig gehabt bis ins
Theater sich zu bemühen, um diese Leutchen zu sehen. Sie zeigen sich zwar nicht
gerne auf den Promenaden, weil selbst in der Hölle nichts Erbärmlicheres zu sein
pflegt, als ein entlarvter Heuchler; aber im Café de Kongrégation wimmelt es von
diesen Herren. Vom Kardinal bis zum schlechten Pater; Sie können manche heilige
Bekanntschaft dort machen.«
    »Mein Herr, Sie scheinen bekannt hier«, erwiderte Mylord; »sagen Sie doch,
wer sind diese ernsten Männer in Uniform nebenan? Sie unterhalten sich lebhaft,
und doch sehe ich sie nicht lächeln. Sind es Engländer?«
    »Verzeihen Sie«, antwortete ich, »es sind Soldaten und Offiziers von der
alten Garde, die sich mit einigen Preußen über den letzten Feldzug besprechen.«
    Alle drei schienen erstaunt über dieses Zusammentreffen, und wollten mehr
fragen, aber der Kapellmeister hob den Stab, und die Trompeten und Pauken der
Rossinischen Ouvertüre schmetterten in das volle Haus. Es war die herrliche
Ouvertüre aus »Il maestro ladro«, die Rossini auf sich selbst gedichtet hat, und
das Publikum war entzückt über die schönen Anklänge aus der Musik aller Länder
und Zeiten, und jedes fand seinen Lieblingsmeister, seine Lieblingsarie in dem
herrlich komponierten Stück. Ich halte auch außer der Gazza ladra den Maestro
ladro für sein Bestes, weil er darin seine Tendenz und seine künstlerische
Gewandtheit im Komponieren ganz ausgesprochen hat. Die Ouvertüre endete mit dem
ergreifenden Schluss von Mozarts »Don Juan«, dem man zur Vermehrung der Rührung,
einen Nachsatz von Pauken, Trommeln und Trompeten angehängt hatte und - der
