 sie Königin von Spanien, und es täte Not, dass man auf den
Knien zu ihr heranrutschte? Wäre sie nur nicht Kleeborns Tochter!« Der
Kammerdiener Marcellin, sein Vertrauter, versuchte es zwar, seinen Herrn zu
besänftigen, doch lange umsonst. Endlich gab er ihm zu bedenken, ob es denn zur
Abwechselung so übel wäre, auch einmal eine Spröde zur Vernunft zu bringen,
besonders wenn man sie zu heiraten denke, und Sir Charles, der indessen
ausgetobt hatte, fing an, seinen Gründen Gehör zu geben.
    »Freilich,« erwiderte er, »es liegt etwas pikantes in ihrem Benehmen und
überdem ist sie wunderschön, und der Hochmut steht ihr nicht übel, das muss ich
ihr lassen. Nun, wir wollen unser Heil versuchen, es wäre schade, wenn die
Weisheit unsrer Papas bei dieser Gelegenheit zur Torheit würde; die alten
Knaben haben diesmal zu klug speculirt. Es sei! Diese Donna Diana verlangt einen
Don Cesar, wie ich merke. Va! sie soll ihn in mir finden. Wir wollen sehen, ob
das Trotzköpfchen sich nicht bändigen lässt.«
    Um diesen Plan sogleich zur Ausführung zu bringen, ging er noch am nämlichen
Abende um die Teezeit in das Kleebornsche Haus hinüber und betrug sich gegen
Vicktorinen und gegen Alle, als wäre gar nichts vorgefallen, das ihm unangenehm
berührt hätte. Er war sogar ungewöhnlich aufmerksam und gesprächig, besonders
gegen Babet, und suchte auf eine recht angenehme Art zur Unterhaltung des
zahlreichen Kreises junger Mädchen beizutragen, welche als Babets und Agatens
Freundinnen sich dort versammelt hatten, eigentlich wohl nur, um den Fremden zu
sehen, dessen seltsames Wesen schon anfing, Aufsehen zu erregen.
    Der Abend neigte sich bereits zum Ende, als Sir Charles noch eine neue Art
von Lottospiel in Vorschlag brachte, welchem die Tante sich nicht wohl
entgegensetzen konnte, indem alle Übrigen, außer Vicktorinen, ihm mit lauter
Freude ihren Beifall schenkten. Um nicht wunderlich zu erscheinen, musste sie es
daher geschehen lassen, dass Domingo einen großen Korb voll jener unbedeutenden,
bunt bemalten Spielereien herbeibrachte, die jedermann unter dem Namen von
Attrappen kennt, welche bei Weihnachts-oder Geburtstags-Geschenken sehr oft zur
Verhüllung irgend einer artigen Kleinigkeit dienen müssen.
    Das Spiel ging vor sich, Sir Charles wusste es mit großer Feinheit zu leiten,
und benahm sich sehr artig dabei; am Ende hatte jede der Anwesenden ein
Körbchen, eine Frucht, ein Vogelnest, oder eine ähnliche, aus Pappe gebildete
zierliche Kleinigkeit gewonnen, deren Inhalt warscheinlich bedeutender war, als
ihre Außenseite. Doch da die Tante und Vicktorine ihren Gewinnst weglegten,
ohne ihn näher zu untersuchen, so folgten auch die Übrigen diesem Beispiel,
weil sie meinten, es schickte sich nicht anders. Nur
