 sehr zu Herzen
nahm. Wenigstens dreimal so viel Schauspieler und Schauspielerinnen als man
bedurfte, hatten anfangs sich mit großem Eifer gemeldet, und zuletzt kostete es
dennoch nicht geringe Mühe, nur so viele zusammenzubringen, als man notwendig
brauchte, um alle Rollen des Stücks gehörig zu besetzen. An ersten Liebhabern
und Liebhaberinnen fehlte es freilich nicht, aber ein redseliges altes Fräulein
und einen etwas rauen invaliden Papa wollte niemand übernehmen. Einer der
besten Freunde des Generals, welcher schon vor dreißig Jahren den Major Tellheim
mit dem größten Beifall gespielt hatte, fuhr im Zorn auf und davon, weil Allwill
durchaus den ersten Liebhaber von niemand anders als Leo von Wallburg spielen
lassen wollte. Andre, die ebenfalls mit den ihnen zugeteilten Rollen nicht
zufrieden waren, folgten dem ehemaligen Tellheim, indem sie sich ganz in der
Stille fortschlichen, und Allwill war wirklich in Gefahr, die Aufführung seines
Stücks hier eben so gut, als wäre es ein öffentliches Theater, an Rollenneid
scheitern zu sehen.
    Endlich ließ Frau von Grünborn, die Nichte jenes Tellheims, sich durch
unablässiges Bitten und Zureden der übrigen Gesellschaft bewegen, die alte Tante
zu übernehmen; ihrem Beispiele folgten andre, und so kam das Ganze zur
allgemeinen Freude allmählig in anscheinende Ordnung. Frau von Grünborn brütete
indessen ganz im Stillen noch über einen großen Plan, denn so ganz gutwillig
konnte sie sich doch nicht entschließen, in einer, ihrer Meinung nach,
undankbaren Rolle aufzutreten, und bei dem ersten einsamen Spaziergang mit
Augusten, den sie herbeizuführen wusste, nahm sie Gelegenheit, zu versuchen, ob
es ihr nicht gelingen könne, diese ihren Wünschen günstig zu stimmen.
    »Sie dauern mich unbeschreiblich, liebes Fräulein von Willnangen,« wendete
sie das Gespräch nach unendlichen Liebkosungen gegen Augusten, sobald sie weit
genug vom Hause entfernt waren um keine Lauscher fürchten zu müssen. »Sie dauern
mich, Allwills Eigensinn zwingt Sie, die Elise zu spielen, und ich fühle recht
gut, wie entsetzlich es Ihnen sein muss, vor aller Welt mit Leo von Wallburg
zärtlich zu tun. Gewiss der Gedanke an die Aufführung des Stücks ist Ihnen
deshalb recht peinlich, es kann nicht anders sein, und ich habe es Ihnen schon
lange angesehen. Sie wissen nicht, wie sehr ich Sie liebe, teure Auguste, um
Ihnen einen Beweis davon zu geben habe ich ganz in der Stille Ihre Rolle neben
der meinen gelernt, und bin nun im Stande, Ihnen einen Tausch anzubieten. Das
hätten Sie wohl von Ihrer Nanny nicht erwartet?« setzte sie hinzu, indem sie
Augusten feurig umarmte.
    Mit dem allergrössten Erstaunen hörte Auguste den absurdesten Vorschlag von
der Welt aus dem Munde einer Frau, die alt genug war, um ihre Mutter zu sein,
und die nun, schalkhaft
