 Stämme zu entwenden. Auf mancherlei Weise war es ihnen
gelungen. Dieses verdross den Besitzer um so mehr, da nicht allein die
Baumschulen geplündert, sondern auch durch Übereilung verderbt worden waren. Man
hatte Spur, dass sie durch die Wasserleitung hereingekommen, und deshalb eine
solche Gitterfalle mit einem Selbstschuss eingerichtet, der aber nur als Zeichen
gelten sollte. Der kleine Knabe hatte sich unter mancherlei Vorwänden mehrmals
im Garten sehen lassen, und es war nichts natürlicher, als dass er aus Kühnheit
und Schelmerei die Fremden einen Weg führen wollte, den er früher zu anderm
Zwecke ausgefunden. Man hätte gewünscht, seiner habhaft zu werden; indessen
wurde sein Wämschen unter andern gerichtlichen Gegenständen aufgehoben.
 
                                Fünftes Kapitel
Auf dem Wege nach dem Schloss fand unser Freund zu seiner Verwunderung nichts,
was einem älteren Lustgarten oder einem modernen Park ähnlich gewesen wäre;
gradlinig gepflanzte Fruchtbäume, Gemüsfelder, große Strecken mit Heilkräutern
bestellt, und was nur irgend brauchbar konnte geachtet werden, übersah er auf
sanft abhängiger Fläche mit einem Blicke. Ein von hohen Linden umschatteter
Platz breitete sich würdig als Vorhalle des ansehnlichen Gebäudes, eine lange,
daranstossende Allee, gleichen Wuchses und Würde, gab zu jeder Stunde des Tags
Gelegenheit, im Freien zu verkehren und zu lustwandeln. Eintretend in das
Schloss, fand er die Wände der Hausflur auf eigene Weise bekleidet; große
geographische Abbildungen aller vier Weltteile fielen ihm in die Augen;
stattliche Treppenwände waren gleichfalls mit Abrissen einzelner Reiche
geschmückt, und in den Hauptsaal eingelassen, fand er sich umgeben von
Prospekten der merkwürdigsten Städte, oben und unten eingefasst von
landschaftlicher Nachbildung der Gegenden, worin sie gelegen sind, alles
kunstreich dargestellt, so dass die Einzelnheiten deutlich in die Augen fielen
und zugleich ein ununterbrochener Bezug durchaus bemerkbar blieb.
    Der Hausherr, ein kleiner, lebhafter Mann von Jahren, bewillkommte den Gast
und fragte, ohne weitere Einleitung, gegen die Wände deutend: ob ihm vielleicht
eine dieser Städte bekannt sei, und ob er daselbst jemals sich aufgehalten? Von
manchem konnte nun der Freund auslangende Rechenschaft geben und beweisen, dass
er mehrere Orte nicht allein gesehen, sondern auch ihre Zustände und Eigenheiten
gar wohl zu bemerken gewusst.
    Der Hausherr klingelte und befahl, ein Zimmer den beiden Ankömmlingen
anzuweisen, auch sie später zum Abendessen zu führen; dies geschah denn auch. In
einem großen Erdsaale entgegneten ihm zwei Frauenzimmer, wovon die eine mit
großer Heiterkeit zu ihm sprach: »Sie finden hier kleine Gesellschaft, aber
gute; ich, die jüngere Nichte, heiße Hersilie, diese, meine ältere Schwester,
nennt man Juliette, die beiden Herren sind Vater und Sohn, Beamte, die Sie
kennen, Hausfreunde, die alles Vertrauen genießen, das sie verdienen. Setzen wir
uns!« Die beiden Frauenzimmer nahmen
