 durch die Kunst
zur Statue, einer menschlichen oder göttlichen, ausgebildet worden. Wäre es eine
göttliche, so möchte sie eine Grazie oder Muse vorstellen, wäre es eine
menschliche, so dürfte es nicht ein besonderer Mensch sein, vielmehr
irgendeiner, den die Kunst aus allem Schönen versammelte.
Euch wird aber der Stein, der durch die Kunst zur schönen Gestalt gebracht
worden, alsobald schön erscheinen; doch nicht weil er Stein ist, denn sonst
würde die andere Masse gleichfalls für schön gelten, sondern daher, dass er eine
Gestalt hat, welche die Kunst ihm erteilte.
Die Materie aber hatte eine solche Gestalt nicht, sondern diese war in dem
Ersinnenden früher, als sie zum Stein gelangte. Sie war jedoch in dem Künstler
nicht weil er Augen und Hände hatte, sondern weil er mit der Kunst begabt war.
Also war in der Kunst noch eine weit größere Schönheit; denn nicht die Gestalt,
die in der Kunst ruht, gelangt in den Stein, sondern dorten bleibt sie und es
geht indessen eine andere, geringere hervor, die nicht rein in sich selbst
verharret, noch auch wie sie der Künstler wünschte, sondern insofern der Stoff
der Kunst gehorchte.
Wenn aber die Kunst dasjenige, was sie ist und besitzt, auch hervorbringt und
das Schöne nach der Vernunft hervorbringt, nach welcher sie immer handelt, so
ist sie fürwahr diejenige, die mehr und wahrer eine größere und trefflichere
Schönheit der Kunst besitzt, vollkommener als alles, was nach außen hervortritt.
Denn indem die Form, in die Materie hervorschreitend, schon ausgedehnt wird, so
wird sie schwächer als jene, welche in Einem verharret. Denn was in sich eine
Entfernung erduldet, tritt von sich selbst weg: Stärke von Stärke, Wärme von
Wärme, Kraft von Kraft; so auch Schönheit von Schönheit. Daher muss das Wirkende
trefflicher sein als das Gewirkte. Denn nicht die Unmusik macht den Musiker,
sondern die Musik, und die übersinnliche Musik bringt die Musik in sinnlichem
Ton hervor.
Wollte aber jemand die Künste verachten, weil sie der Natur nachahmen, so lässt
sich darauf antworten, dass die Naturen auch manches andere nachahmen; dass ferner
die Künste nicht das geradezu nachahmen, was man mit Augen sieht, sondern auf
jenes Vernünftige zurückgehen, aus welchem die Natur bestehet und wonach sie
handelt.
Ferner bringen auch die Künste vieles aus sich selbst hervor und fügen
anderseits manches hinzu, was der Vollkommenheit abgehet, indem sie die
Schönheit in sich selbst haben. So konnte Phidias den Gott bilden, ob er gleich
nichts sinnlich Erblickliches nachahmte, sondern sich einen solchen in den Sinn
fasste, wie Zeus selbst erscheinen würde, wenn er unsern Augen begegnen möchte.
Man kann den Idealisten alter und neuer Zeit nicht verargen
