
    Indem wir nun diese äterische Dichtung, Verzeihung hoffend, hiemit
beschließen, wenden wir uns wieder zu jenem terrestrischen Märchen, wovon wir
oben eine vorübergehende Andeutung gegeben.
    Montan hatte mit dem größten Anschein von Ehrlichkeit angegeben: jene
wunderbare Person, welche mit ihren Gefühlen den Unterschied der irdischen
Stoffe so wohl zu bezeichnen wisse, sei schon mit den ersten Wanderern in die
weite Ferne gezogen, welches jedoch dem aufmerksamen Menschenkenner durchaus
hätte sollen unwahrscheinlich dünken. Denn wie wollte Montan und seinesgleichen
eine so bereite Wünschelrute von der Seite gelassen haben? Auch ward kurz nach
seiner Abreise durch Hin- und Widerreden und sonderbare Erzählungen der unteren
Hausbedienten hierüber ein Verdacht allmählich rege. Philine nämlich und Lydie
hatten eine Dritte mitgebracht, unter dem Vorwand, es sei eine Dienerin, wozu
sie sich aber gar nicht zu schicken schien; wie sie denn auch beim An- und
Auskleiden der Herrinnen niemals gefordert wurde. Ihre einfache Tracht kleidete
den derben, wohlgebauten Körper gar schicklich, deutete aber, so wie die ganze
Person, auf etwas Ländliches. Ihr Betragen, ohne roh zu sein, zeigte keine
gesellige Bildung, wovon die Kammermädchen immer die Karikatur darzustellen
pflegen. Auch fand sie gar bald unter der Dienerschaft ihren Platz; sie gesellte
sich zu den Garten- und Feldgenossen, ergriff den Spaten und arbeitete für zwei
bis drei. Nahm sie den Rechen, so flog er auf das geschickteste über das
aufgewühlte Erdreich, und die weiteste Fläche glich einem wohlgeebneten Beete.
Übrigens hielt sie sich still und gewann gar bald die allgemeine Gunst. Sie
erzählten sich von ihr: man habe sie oft das Werkzeug niederlegen und
querfeldein über Stock und Steine springen sehen, auf eine versteckte Quelle zu,
wo sie ihren Durst gelöscht. Diesen Gebrauch habe sie täglich wiederholt, indem
sie von irgendeinem Punkte aus, wo sie gestanden, immer ein oder das andere rein
ausfliessende Wasser zu finden gewusst, wenn sie dessen bedurfte.
    Und so war denn doch für Montans Angeben ein Zeugnis zurückgeblieben, der
wahrscheinlich, um lästige Versuche und unzulängliches Probieren zu vermeiden,
die Gegenwart einer so merkwürdigen Person vor seinen edlen Wirten, welche sonst
wohl ein solches Zutrauen verdient hätten, zu verheimlichen beschloss. Wir aber
wollten, was uns bekannt geworden, auch unvollständig wie es vorliegt,
mitgeteilt haben, um forschende Männer auf ähnliche Fälle, die sich vielleicht
öfter, als man glaubt, durch irgendeine Andeutung hervortun, freundlich
aufmerksam zu machen.
 
                              Sechzehntes Kapitel
Der Amtmann jenes Schlosses, das wir noch vor kurzem durch unsere Wanderer
belebt gesehen, von Natur tätig und gewandt, den Vorteil seiner Herrschaft und
seinen eignen immer vor Augen habend, saß nunmehr vergnügt, Rechnungen und
Berichte auszufertigen, wodurch er die seinem Bezirk während der Anwesenheit
jener Gäste zugegangenen großen Vorteile mit
