 Natur ist durch
Emsigkeit, der Mensch durch Gewalt oder Überredung zu nötigen.
    Wird der einzelne Besitz von der ganzen Gesellschaft für heilig geachtet, so
ist er es dem Besitzer noch mehr. Gewohnheit, jugendliche Eindrücke, Achtung für
Vorfahren, Abneigung gegen den Nachbar und hunderterlei Dinge sind es, die den
Besitzer starr und gegen jede Veränderung widerwillig machen. Je älter
dergleichen Zustände sind, je verflochtener, je geteilter, desto schwieriger
wird es, das Allgemeine durchzuführen, das, indem es dem Einzelnen etwas nähme,
dem Ganzen und durch Rück- und Mitwirkung auch jenem wieder unerwartet zugute
käme.
    Schon mehrere Jahre steh' ich im Namen meines Fürsten einer Provinz vor,
die, von seinen Staaten getrennt, lange nicht so, wie es möglich wäre, benutzt
wird. Eben diese Abgeschlossenheit oder Eingeschlossenheit, wenn man will,
hindert, dass bisher keine Anstalt sich treffen ließ, die den Bewohnern
Gelegenheit gegeben hätte, das, was sie vermögen, nach außen zu verbreiten, und
von außen zu empfangen, was sie bedürfen.
    Mit unumschränkter Vollmacht gebot ich in diesem Lande. Manches Gute war zu
tun, aber doch immer nur ein beschränktes; dem Bessern waren überall Riegel
vorgeschoben, und das Wünschenswerteste schien in einer andern Welt zu liegen.
    Ich hatte keine andere Verpflichtung, als gut hauszuhalten. Was ist leichter
als das! Ebenso leicht ist es, Missbräuche zu beseitigen, menschlicher
Fähigkeiten sich zu bedienen, den Bestrebsamen nachzuhelfen. Dies alles ließ
sich mit Verstand und Gewalt recht bequem leisten, dies alles tat sich
gewissermaßen von selbst. Aber wohin besonders meine Aufmerksamkeit, meine Sorge
sich richtete, dies waren die Nachbarn, die nicht mit gleichen Gesinnungen, am
wenigsten mit gleicher Überzeugung ihre Landesteile regierten und regieren
ließ.
    Beinahe hätte ich mich resigniert und mich innerhalb meiner Lage am besten
gehalten und das Herkömmliche, so gut als es sich tun ließ, benutzt, aber ich
bemerkte auf einmal, das Jahrhundert komme mir zu Hilfe. Jüngere Beamte wurden
in der Nachbarschaft angestellt, sie hegten gleiche Gesinnungen, aber freilich
nur im allgemeinen wohlwollend, und pflichteten nach und nach meinen Planen zu
allseitiger Verbindung um so eher bei, als mich das Los traf, die größeren
Aufopferungen zuzugestehen, ohne dass gerade jemand merkte, auch der größere
Vorteil neige sich auf meine Seite.
    So sind nun unser drei über ansehnliche Landesstrecken zu gebieten befugt,
unsre Fürsten und Minister sind von der Redlichkeit und Nützlichkeit unsrer
Vorschläge überzeugt; denn es gehört freilich mehr dazu, seinen Vorteil im
Großen als im Kleinen zu übersehen. Hier zeigt uns immer die Notwendigkeit, was
wir zu tun und zu lassen haben, und da ist denn schon genug, wenn wir diesen
Maßstab ans Gegenwärtige legen; dort aber sollen wir
