 kam es zum Stocken, endlich brach es völlig ab,
und die guten Kleinen wurden mit einigen Liebkosungen zu Bette geschickt. Die
Dame sah sich allein, warf sich auf den Sofa und brach in bittere Tränen aus.
    Doch es wird nun ebenfalls notwendig, von der Dame selbst und von dem, wie
es scheint, übel abgelaufenen ländlichen Feste nähere Nachricht zu geben.
Albertine war eine von den Frauenzimmern, denen man unter vier Augen nichts zu
sagen hätte, die man aber sehr gern in großer Gesellschaft sieht. Dort
erscheinen sie als wahre Zierden des Ganzen und als Reizmittel in jedem
Augenblick einer Stockung. Ihre Anmut ist von der Art, dass sie, um sich zu
äußern, sich bequem dazutun, einen gewissen Raum braucht, ihre Wirkungen
verlangen ein größeres Publikum, sie bedürfen eines Elements, das sie trägt, das
sie nötigt, anmutig zu sein; gegen den einzelnen wissen sie sich kaum zu
betragen.
    Auch hatte der Hausfreund bloß dadurch ihre Gunst und erhielt sich darin,
weil er Bewegung auf Bewegung einzuleiten und immerfort, wenn auch keinen
großen, doch einen heitern Kreis im Treiben zu erhalten wusste. Bei
Rollenausteilungen wählte er sich die zärtlichen Väter und wusste durch ein
anständiges, altkluges Benehmen über die jüngeren ersten, zweiten und dritten
Liebhaber sich ein Übergewicht zu verschaffen.
    Florine, Besitzerin eines bedeutenden Rittergutes in der Nähe, winters in
der Stadt wohnend, verpflichtet gegen Odoard, dessen staatswirtliche Einrichtung
zufälliger-, aber glücklicherweise ihrem Landsitz höchlich zugute kam und den
Ertrag desselben in der Folge bedeutend zu vermehren die Aussicht gab, bezog
sommers ihr Landgut und machte es zum Schauplatze vielfacher anständiger
Vergnügungen. Geburtstage besonders wurden niemals verabsäumt und mannigfaltige
Feste veranstaltet.
    Florine war ein munteres, neckisches Wesen, wie es schien, nirgends
anhänglich, auch keine Anhänglichkeit fordernd noch verlangend.
Leidenschaftliche Tänzerin, schätzte sie die Männer nur, insofern sie sich gut
im Takte bewegten; ewig rege Gesellschafterin, hielt sie denjenigen
unerträglich, der auch nur einen Augenblick vor sich hinsah und nachzudenken
schien; übrigens als heitere Liebhaberin, wie sie in jedem Stück, jeder Oper
nötig sind, sich gar anmutig darstellend, weshalb denn zwischen ihr und
Albertinen, welche die Anständigen spielte, sich nie ein Rangstreit hervortat.
    Den eintretenden Geburtstag in guter Gesellschaft zu feiern, war aus der
Stadt und aus dem Lande umher die beste Gesellschaft eingeladen. Einen Tanz,
schon nach dem Frühstück begonnen, setzte man nach Tafel fort; die Bewegung zog
sich in die Länge, man fuhr zu spät ab, und von der Nacht auf schlimmem Wege,
doppelt schlimm, weil er eben gebessert wurde, ehe man's dachte, schon
überrascht, versah's der Kutscher und warf in einen Graben. Unsere Schöne mit
