 deshalb nicht an fremde Länder zu wenden. So besorgte sie in einem
kleinen Garten alles, was nach ihrem Sinn die Speisen schmackhaft mache und
Kranken zuträglich wäre: sie besuchte keinen fremden Garten, ohne dergleichen
von da mitzubringen.
    Diese Gesinnung und was daraus folgte, konnte man ihr sehr gerne zugeben, da
ihre emsig gesammelte Barschaft der Familie doch endlich zugute kommen sollte;
auch wussten Vater und Mutter hierin durchaus ihr nachzugeben und förderlich zu
sein.
    Eine andere Leidenschaft jedoch, eine tätige, die sich unermüdet geschäftig
hervortat, war der Stolz, für eine bedeutende, einflussreiche Person gehalten zu
werden. Und sie hatte fürwahr diesen Ruhm sich verdient und erreicht; denn die
sonst unnützen, sogar oft schädlichen unter Frauen obwaltenden Klatschereien
wusste sie zu ihrem Vorteil anzuwenden. Alles, was in der Stadt vorging, und
daher auch das Innere der Familien, war ihr genau bekannt, und es ereignete sich
nicht leicht ein zweifelhafter Fall, in den sie sich nicht zu mischen gewusst
hätte, welches ihr um desto mehr gelang, als sie immer nur zu nutzen trachtete,
dadurch aber ihren Ruhm und guten Namen zu steigern wusste. Manche Heirat hatte
sie geschlossen, wobei wenigstens der eine Teil vielleicht zufrieden blieb. Was
sie aber am meisten beschäftigte, war das Fördern und Befördern solcher
Personen, die ein Amt, eine Anstellung suchten, wodurch sie sich denn wirklich
eine große Anzahl Klienten erwarb, deren Einfluss sie dann wieder zu benutzen
wusste.
    Als Witwe eines nicht unbedeutenden Beamten, eines rechtlichen, strengen
Mannes, hatte sie denn doch gelernt, wie man diejenigen durch Kleinigkeiten
gewinnt, denen man durch bedeutendes Anerbieten nicht beikommen kann.
    Um aber ohne fernere Weitläufigkeit auf dem betretenen Pfade zu bleiben, sei
zunächst bemerkt, dass sie auf einen Mann, der eine wichtige Stelle bekleidete,
sich großen Einfluss zu verschaffen gewusst. Er war geizig gleich ihr, und zu
seinem Unglück ebenso speiselustig und genäschig. Ihm also unter irgendeinem
Vorwande ein schmackhaftes Gericht auf die Tafel zu bringen, blieb ihre erste
Sorge. Sein Gewissen war nicht das zarteste, aber auch sein Mut, seine
Verwegenheit musste in Anspruch genommen werden, wenn er in bedenklichen Fällen
den Widerstand seiner Kollegen überwinden und die Stimme der Pflicht, die sie
ihm entgegensetzten, übertäuben sollte.
    Nun war gerade der Fall, dass sie einen Unwürdigen begünstigte; sie hatte das
möglichste getan, ihn einzuschieben; die Angelegenheit hatte für sie eine
günstige Wendung genommen, und nun kamen ihr die Krebse, dergleichen man
freilich selten gesehen, glücklicherweise zustatten. Sie sollten sorgfältig
gefüttert und nach und nach dem hohen Gönner, der gewöhnlich ganz allein sehr
kärglich speiste, auf die Tafel gebracht werden.
    Übrigens gab der unglückliche Vorfall zu manchen Gesprächen und geselligen
Bewegungen Anlass.
