 mit Gesellen und Kennern lange Konferenzen
halten und dadurch wirklich schätzenswerte dauerwürdige Arbeiten hervorzubringen
wissen.«
    Nach allem diesem versäumte Wilhelm nicht, sich zu erkundigen, was für ein
anderer Unterricht sich sonst noch anschliesse, und man gestand ihm, dass es die
Dichtkunst, und zwar die epische sei.
    Doch musste dem Freunde dies sonderbar scheinen, als man hinzufügte: es werde
den Schülern nicht vergönnt, schon ausgearbeitete Gedichte älterer und neuerer
Dichter zu lesen oder vorzutragen; ihnen wird nur eine Reihe von Myten,
Überlieferungen und Legenden lakonisch mitgeteilt. Nun erkennt man gar bald an
malerischer oder poetischer Ausführung das eigene Produktive des einer oder der
andern Kunst gewidmeten Talents. Dichter und Bildner, beide beschäftigen sich an
einer Quelle, und jeder sucht das Wasser nach seiner Seite, zu seinem Vorteil
hinzulenken, um nach Erfordernis eigne Zwecke zu erreichen; welches ihm viel
besser gelingt, als wenn er das schon Verarbeitete nochmals umarbeiten wollte.
    Der Reisende selbst hatte Gelegenheit, zu sehen, wie das vorging. Mehrere
Maler waren in einem Zimmer beschäftigt, ein munterer junger Freund erzählte
sehr ausführlich eine ganz einfache Geschichte, so dass er fast ebenso viele
Worte als jene Pinselstriche anwendete, seinen Vortrag ebenfalls aufs rundeste
zu vollenden.
    Man versicherte, dass beim Zusammenarbeiten die Freunde sich gar anmutig
unterhielten und dass sich auf diesem Wege öfters Improvisatoren entwickelten,
welche großen Enthusiasmus für die zwiefache Darstellung zu erregen wüssten.
    Der Freund wendete nun seine Erkundigungen zur bildenden Kunst zurück. »Ihr
habt«, so sprach er, »keine Ausstellung, also auch wohl keine Preisaufgabe?«
»Eigentlich nicht«, versetzte jener, »hier aber ganz in der Nähe können wir Euch
sehen lassen, was wir für nützlicher halten.«
    Sie traten in einen großen, von oben glücklich erleuchteten Saal; ein weiter
Kreis beschäftigter Künstler zeigte sich zuerst, aus dessen Mitte sich eine
kolossale Gruppe günstig aufgestellt erhob. Männliche und weibliche
Kraftgestalten in gewaltsamen Stellungen erinnerten an jenes herrliche Gefecht
zwischen Heldenjünglingen und Amazonen, wo Hass und Feindseligkeit zuletzt sich
in wechselseitig-traulichen Beistand auflöst. Dieses merkwürdig verschlungene
Kunstwerk war von jedem Punkte ringsum gleich günstig anzusehen. In einem weiten
Umfang saßen und standen bildende Künstler, jeder nach seiner Weise beschäftigt:
der Maler an seiner Staffelei, der Zeichner am Reissbrett; einige modellierten
rund, einige flach erhoben; ja sogar Baumeister entwarfen den Untersatz, worauf
künftig ein solches Kunstwerk gestellt werden sollte. Jeder Teilnehmende verfuhr
nach seiner Weise bei der Nachbildung, Maler und Zeichner entwickelten die
Gruppe zur Fläche, sorgfältig jedoch, sie nicht zu zerstören, sondern so viel
wie möglich beizubehalten. Ebenso wurden die flacherhobenen Arbeiten behandelt.
Nur ein einziger hatte die ganze Gruppe in kleinerem Maßstabe wiederholt, und er
schien das Modell wirklich
