 gewissen
Zuversicht blickte, die ihm heute früh noch sehr fremd gewesen war.
    Hatte nun durch mancherlei Erinnerungen, Erzählungen und glückliche Einfälle
der teatralische Freund die einmal angeregte gute Laune zu erhalten, zu beleben
und zu vermehren gewusst, so wurde der Major um so verlegener, als jener gleich
nach Tische sich zu entfernen und seinen Weg weiter fortzusetzen drohte. Auf
alle Weise suchte er den Aufenthalt seines Freundes, wenigstens über Nacht, zu
erleichtern, indem er Vorspann und Relais auf morgen früh andringlich zusagte.
Genug, die heilsame Toilette sollte nicht aus dem Hause, bis man von ihrem
Inhalt und Gebrauch näher unterrichtet wäre.
    Der Major sah sehr wohl ein, dass hier keine Zeit zu verlieren sei, und
suchte daher gleich nach Tische seinen alten Günstling allein zu sprechen. Da er
das Herz nicht hatte, ganz gerade auf die Sache loszugehen, so lenkte er von
weitem dahin, indem er, das vorige Gespräch wieder auffassend, versicherte: er
für seine Person würde gern mehr Sorgfalt auf das Äußere verwenden, wenn nur
nicht gleich die Menschen einen jeden, dem sie ein solches Bestreben anmerken,
für eitel erklärten und ihm dadurch sogleich wieder an der sittlichen Achtung
entzögen, was sie sich genötigt fühlten an der sinnlichen ihm zuzugestehen.
    »Mache mich mit solchen Redensarten nicht verdrießlich!« versetzte der
Freund; »denn das sind Ausdrücke, die sich die Gesellschaft angewöhnt hat, ohne
etwas dabei zu denken, oder, wenn man es strenger nehmen will, wodurch sich ihre
unfreundliche und misswollende Natur ausspricht. Wenn du es recht genau
betrachtest: was ist denn das, was man oft als Eitelkeit verrufen möchte? Jeder
Mensch soll Freude an sich selbst haben, und glücklich, wer sie hat. Hat er sie
aber, wie kann er sich verwehren, dieses angenehme Gefühl merken zu lassen? Wie
soll er mitten im Dasein verbergen, dass er eine Freude am Dasein habe? Fände die
gute Gesellschaft, denn von der ist doch hier allein die Rede, nur alsdann diese
Äußerungen tadelhaft, wenn sie zu lebhaft werden, wenn des einen Menschen Freude
an sich und seinem Wesen die andern hindert, Freude an dem ihrigen zu haben und
sie zu zeigen, so wäre nichts dabei zu erinnern, und von diesem Übermaß ist auch
wohl der Tadel zuerst ausgegangen. Aber was soll eine wunderlich-verneinende
Strenge gegen etwas Unvermeidliches? Warum will man nicht eine Äußerung lässlich
und erträglich finden, die man denn doch mehr oder weniger sich von Zeit zu Zeit
selbst erlaubt? ja, ohne die eine gute Gesellschaft gar nicht existieren könnte:
denn das Gefallen an sich selbst, das Verlangen, dieses Selbstgefühl andern
mitzuteilen, macht gefällig, das Gefühl eigener Anmut macht anmutig. Wollte Gott,
alle
