, als ein
sehr schöner und angenehmer Jüngling, einer vornehmen Dame zu gefallen das Glück
oder Unglück gehabt habe; dass er dadurch in große Verlegenheit und Gefahr
geraten, woraus ihn der Major eben im Augenblick, als ihn das traurigste
Schicksal bedrohte, glücklich herausriss. Ewig blieb er dankbar, dem Bruder
sowohl als der Schwester; denn diese hatte durch zeitige Warnung zur Vorsicht
Anlass gegeben.
    Einige Zeit vor Tische ließ man die Männer allein. Nicht ohne Bewunderung,
ja gewissermaßen mit Erstaunen hatte der Major das äußere Behaben seines alten
Freundes im ganzen und einzelnen betrachtet. Er schien gar nicht verändert zu
sein, und es war kein Wunder, dass er noch immer als jugendlicher Liebhaber auf
dem Theater erscheinen konnte. - »Du betrachtest mich aufmerksamer als billig
ist«, sprach er endlich den Major an; »ich fürchte sehr, du findest den
Unterschied gegen vorige Zeit nur allzu groß.« - »Keineswegs«, versetzte der
Major, »vielmehr bin ich voll Verwunderung, dein Aussehen frischer und jünger zu
finden als das meine; da ich doch weiß, dass du schon ein gemachter Mann warst,
als ich, mit der Kühnheit eines wagehalsigen Gelbschnabels, dir in gewissen
Verlegenheiten beistand.« - »Es ist deine Schuld«, versetzte der andere, »es ist
die Schuld aller deinesgleichen; und ob ihr schon darum nicht zu schelten seid,
so seid ihr doch zu tadeln. Man denkt immer nur ans Notwendige; man will sein
und nicht scheinen. Das ist recht gut, solange man etwas ist. Wenn aber zuletzt
das Sein mit dem Scheinen sich zu empfehlen anfängt und der Schein noch
flüchtiger als das Sein ist, so merkt denn doch ein jeder, dass er nicht übel
getan hätte, das Äußere über dem Innern nicht ganz zu vernachlässigen.« - »Du
hast recht«, versetzte der Major und konnte sich fast eines Seufzers nicht
enthalten. - »Vielleicht nicht ganz recht«, sagte der bejahrte Jüngling; »denn
freilich bei meinem Handwerke wäre es ganz unverzeihlich, wenn man das Äußere
nicht so lange aufstutzen wollte, als nur möglich ist. Ihr andern aber habt
Ursache, auf andere Dinge zu sehen, die bedeutender und nachhaltiger sind.« -
»Doch gibt es Gelegenheiten«, sagte der Major, »wo man sich innerlich frisch
fühlt und sein Äußeres auch gar zu gern wieder auffrischen möchte.«
    Da der Ankömmling die wahre Gemütslage des Majors nicht ahnen konnte, so
nahm er diese Äußerung im Soldatensinne und ließ sich weitläufig darüber aus:
wie viel beim Militär aufs Äußere ankomme und wie der Offizier, der so manches
auf seine Kleidung zu wenden habe, doch auch einige Aufmerksamkeit auf Haut und
Haare wenden könne.
    »
