 mein Vater als Bötticher für den Keller
gesorgt hatte, so sorgte ich nun für Dach und Fach und verbesserte manchen
schadhaften Teil der alten Gebäude. Besonders wusste ich einige verfallene
Scheuern und Remisen für den häuslichen Gebrauch wieder nutzbar zu machen; und
kaum war dieses geschehen, als ich meine geliebte Kapelle zu räumen und zu
reinigen anfing. In wenigen Tagen war sie in Ordnung, fast wie Ihr sie seht;
wobei ich mich bemühte, die fehlenden oder beschädigten Teile des Täfelwerks dem
Ganzen gleich wiederherzustellen. Auch solltet Ihr diese Flügeltüren des
Eingangs wohl für alt genug halten; sie sind aber von meiner Arbeit. Ich habe
mehrere Jahre zugebracht, sie in ruhigen Stunden zu schnitzen, nachdem ich sie
vorher aus starken eichenen Bohlen im ganzen tüchtig zusammengefügt hatte. Was
bis zu dieser Zeit von Gemälden nicht beschädigt oder verloschen war, hat sich
auch noch erhalten, und ich half dem Glasmeister bei einem neuen Bau, mit der
Bedingung, dass er bunte Fenster herstellte.
    Hatten jene Bilder und die Gedanken an das Leben des Heiligen meine
Einbildungskraft beschäftigt, so drückte sich, das alles nur viel lebhafter bei
mir ein, als ich den Raum wieder für ein Heiligtum ansehen, darin, besonders zur
Sommerszeit, verweilen und über das, was ich sah oder vermutete, mit Musse
nachdenken konnte. Es lag eine unwiderstehliche Neigung in mir, diesem Heiligen
nachzufolgen; und da sich ähnliche Begebenheiten nicht leicht herbeirufen
ließ, so wollte ich wenigstens von unten auf anfangen, ihm zu gleichen: wie
ich denn wirklich durch den Gebrauch des lastbaren Tiers schon lange begonnen
hatte. Das kleine Geschöpf, dessen ich mich bisher bedient, wollte mir nicht
mehr genügen; ich suchte mir einen viel stattlicheren Träger aus, sorgte für
einen wohlgebauten Sattel, der zum Reiten wie zum Packen gleich bequem war. Ein
paar neue Körbe wurden angeschafft, und ein Netz von bunten Schnüren, Flocken
und Quasten, mit klingenden Metallstiften untermischt, zierte den Hals des
langohrigen Geschöpfs, das sich nun bald neben seinem Musterbilde an der Wand
zeigen durfte. Niemanden fiel ein, über mich zu spotten, wenn ich in diesem
Aufzuge durchs Gebirge kam: denn man erlaubt ja gern der Wohltätigkeit eine
wunderliche Außenseite.
    Indessen hatte sich der Krieg, oder vielmehr die Folge desselben, unserer
Gegend genähert, indem verschiedenemal gefährliche Rotten von verlaufenem
Gesindel sich versammelten und hie und da manche Gewalttätigkeit, manchen
Mutwillen ausübten. Durch die gute Anstalt der Landmiliz, durch Streifungen und
augenblickliche Wachsamkeit wurde dem Übel zwar bald gesteuert; doch verfiel man
zu geschwind wieder in Sorglosigkeit, und ehe man sich's versah, brachen wieder
neue Übeltaten hervor.
    Lange war es in unserer Gegend still gewesen, und ich zog mit meinem
Saumrosse ruhig die gewohnten Pfade,
