, und der
Ankömmling konnte nicht lange daran hergehen, ohne zu bemerken, dass die heiligen
Bücher der Israeliten den Stoff zu diesen Bildern geliefert hatten.
    »Es ist hier«, sagte der Älteste, »wo wir diejenige Religion überliefern,
die ich Euch der Kürze wegen die etnische genannt habe. Der Gehalt derselben
findet sich in der Weltgeschichte, so wie die Hülle derselben in den
Begebenheiten. An der Wiederkehr der Schicksale ganzer Völker wird sie
eigentlich begriffen.«
    »Ihr habt«, sagte Wilhelm, »wie ich sehe, dem israelitischen Volke die Ehre
erzeigt und seine Geschichte zum Grunde dieser Darstellung gelegt, oder vielmehr
ihr habt sie zum Hauptgegenstande derselben gemacht.« - »Wie Ihr seht«,
versetzte der Alte; »denn Ihr werdet bemerken, dass in den Sockeln und Friesen
nicht sowohl synchronistische als symphronistische Handlungen und Begebenheiten
aufgeführt sind, indem unter allen Völkern gleichbedeutende und Gleiches
deutende Nachrichten vorkommen. So erblickt Ihr hier, wenn in dem Hauptfelde
Abraham von seinen Göttern in der Gestalt schöner Jünglinge besucht wird, den
Apoll unter den Hirten Admets oben in der Friese; woraus wir lernen können, dass,
wenn die Götter den Menschen erscheinen, sie gewöhnlich unerkannt unter ihnen
wandeln.«
    Die Betrachtenden schritten weiter. Wilhelm fand meistens bekannte
Gegenstände, jedoch lebhafter und bedeutender vorgetragen, als er sie sonst zu
sehen gewohnt war. Über weniges bat er sich einige Erklärung aus; wobei er sich
nicht enthalten konnte, nochmals zu fragen, warum man die israelitische
Geschichte vor allen andern gewählt. Hierauf antwortete der Älteste: »Unter
allen heidnischen Religionen, denn eine solche ist die israelitische
gleichfalls, hat diese große Vorzüge wovon ich nur einiger erwähnen will. Vor
dem etnischen Richterstuhle, vor dem Richterstuhl des Gottes der Völker, wird
nicht gefragt, ob es die beste, die vortrefflichste Nation sei, sondern nur, ob
sie daure, ob sie sich erhalten habe. Das israelitische Volk hat niemals viel
getaugt, wie es ihm seine Anführer, Richter, Vorsteher, Propheten tausendmal
vorgeworfen haben; es besitzt wenig Tugenden und die meisten Fehler anderer
Völker; aber an Selbstständigkeit, Festigkeit, Tapferkeit und, wenn alles das
nicht mehr gilt, an Zäheit sucht es seinesgleichen. Es ist das beharrlichste
Volk der Erde, es ist, es war, es wird sein, um den Namen Jehova durch alle
Zeiten zu verherrlichen. Wir haben es daher als Musterbild aufgestellt, als
Hauptbild, dem die andern nur zum Rahmen dienen.«
    »Es ziemt sich nicht, mit Euch zu rechten«, versetzte Wilhelm, »da Ihr mich
zu belehren imstande seid. Eröffnet mir daher noch die übrigen Vorteile dieses
Volks, oder vielmehr seiner Geschichte, seiner Religion.« - »
