 jedermann in sie
verliebt.« - Lila klatschte strafend den vollen Rücken der Erzählenden, und
sagte: »Neulich, als ich mich im Spiegel betrachtete, da fand ich, dass Augen,
Mund, Kinn und Backen noch nicht hässlich, aber die le nez, die le nez, ich weiß
nicht, wie mir die Nase so besonders hervorgewachsen, als sähe sie sich immer
weiter in der Welt um, doch habe ich das schon öfters bei alten Jungfern
bemerkt, die Nase wächst ihnen zu einer ungeheuren Größe.« Wir lachten alle über
das gutmütige Mädchen, die so heiter über sich selbst spotten konnte, nur eine
blasse Fräulein Walpurgis blieb ungerührt. Der Graf bat sie um ihre Geschichte,
wenn es ihr nicht schmerzhaft sei. »Keinesweges«, antwortete sie; »allzu
bekannt, um sie in meinem Herzen zu verschließen, teile ich sie gern meinen
Bekannten mit, dass sie mir um so leichter gewisse unangenehme Minuten verzeihen.
Ich war in früheren Jahren sehr heiter, leichtsinnig und mutwillig; in keinen
Menschen, selbst in die, welche ich liebte, ging ich tief genug ein, um ihre
heimlicheren, oft wesentlichsten Charakterzüge kennen zu lernen. So war ich auch
einem jungen Edelmann verlobt und herzlich in ihn verliebt, ohne dass ich
glaubte, was er mir sagte, könne ernsthafter, bedeutender sein, als was ich ihm
zu sagen hätte; ich schwatzte froh in alles hinein und bemerkte nicht, wie er
verlegen wurde, wenn ich oft querfeldein über die wichtigsten Gegenstände, über
Politik, über Kunstwerke meine Worte auslaufen ließ; es bedeutete mir gar
nichts, denn ich hatte damals ein solches Bedürfnis zu reden, dass ich oft allein
mit den Wänden konversierte. Worum er mich gebeten, vergaß ich eben so
leichtsinnig, wie alles das, worin er mich belehrte, und das hatte ihn endlich
zu dem Entschlusse gebracht, mich auf die Probe zu stellen. Er sagte mir eines
Tages, als Abends ein kleiner Ball in der Stadt gehalten werden sollte, er müsse
den Tag verreisen, ich möchte ihm etwas versprechen, woran er sähe, dass ich ihn
liebte: ich möchte ihm versprechen, den Abend nicht auf dem Balle zu tanzen. Ich
lachte über das leichte Versprechen; der Tanz war gar nicht meine Leidenschaft
und der Bälle so viele, dass dieses Ausruhen gar keine Entsagung zu nennen; ich
versprach es bei meiner Liebe und gab ihm die Hand darauf. Abends auf dem Balle
dachte ich der ganzen Geschichte nicht mehr; zwar war es mir, als hielte mich
bei einer Aufforderung eine geheime Hand, dass ich abschlagen sollte, aber ich
hatte einmal zugesagt, und als mir nachher mein Versprechen einfiel, fürchtete
ich, lächerlich und beleidigend zugleich bei
