 von Charlotten eine mäßige Summe
zu erbitten, wovon er das Äußere sowohl als das Innere im altertümlichen Sinne
herzustellen und mit dem davorliegenden Auferstehungsfelde zur Übereinstimmung
zu bringen gedachte. Er hatte selbst viel Handgeschick, und einige Arbeiter, die
noch am Hausbau beschäftigt waren, wollte man gern so lange beibehalten, bis
auch dieses fromme Werk vollendet wäre.
    Man war nunmehr in dem Falle, das Gebäude selbst mit allen Umgebungen und
Angebäuden zu untersuchen, und da zeigte sich zum größten Erstaunen und
Vergnügen des Architekten eine wenig bemerkte kleine Seitenkapelle von noch
geistreichern und leichtern Massen, von noch gefälligern und fleissigern Zieraten.
Sie enthielt zugleich manchen geschnitzten und gemalten Rest jenes älteren
Gottesdienstes, der mit mancherlei Gebild und Gerätschaft die verschiedenen
Feste zu bezeichnen und jedes auf seine eigne Weise zu feiern wusste.
    Der Architekt konnte nicht unterlassen, die Kapelle sogleich in seinen Plan
mit hereinzuziehen und besonders diesen engen Raum als ein Denkmal voriger
Zeiten und ihres Geschmacks wiederherzustellen. Er hatte sich die leeren Flächen
nach seiner Neigung schon verziert gedacht und freute sich, dabei sein
malerisches Talent zu üben; allein er machte seinen Hausgenossen fürs erste ein
Geheimnis davon.
    Vor allem andern zeigte er versprochenermassen den Frauen die verschiedenen
Nachbildungen und Entwürfe von alten Grabmonumenten, Gefässen und andern dahin
sich nähernden Dingen, und als man im Gespräch auf die einfachern Grabhügel der
nordischen Völker zu reden kam, brachte er seine Sammlung von mancherlei Waffen
und Gerätschaften, die darin gefunden worden, zur Ansicht. Er hatte alles sehr
reinlich und tragbar in Schubladen und Fächern auf eingeschnittenen, mit Tuch
überzogenen Brettern, so dass diese alten, ernsten Dinge durch seine Behandlung
etwas Putzhaftes annahmen und man mit Vergnügen darauf wie auf die Kästchen
eines Modehändlers hinblickte. Und da er einmal im Vorzeigen war, da die
Einsamkeit eine Unterhaltung forderte, so pflegte er jeden Abend mit einem Teil
seiner Schätze hervorzutreten. Sie waren meistenteils deutschen Ursprungs:
Brakteaten, Dickmünzen, Siegel und was sonst sich noch anschließen mag. Alle
diese Dinge richteten die Einbildungskraft gegen die ältere Zeit hin, und da er
zuletzt mit den Anfängen des Drucks, Holzschnitten und den ältesten Kupfern
seine Unterhaltung zierte und die Kirche täglich auch, jenem Sinne gemäß, an
Farbe und sonstiger Auszierung gleichsam der Vergangenheit entgegenwuchs, so
musste man sich beinahe selbst fragen, ob man denn wirklich in der neueren Zeit
lebe, ob es nicht ein Traum sei, dass man nunmehr in ganz andern Sitten,
Gewohnheiten, Lebensweisen und Überzeugungen verweile.
    Auf solche Art vorbereitet, tat ein größeres Portefeuille, das er zuletzt
herbeibrachte, die beste Wirkung. Es enthielt zwar meist nur umrissene Figuren,
die aber, weil sie auf die Bilder selbst durchgezeichnet waren, ihren
altertümlichen Charakter vollkommen erhalten hatten, und diesen, wie einnehmend
fanden ihn
