 glänzend zu sein, war dieser Antrag ehrenvoll; auch wurde er keinesweges
zurückgewiesen. Was man von dem Erbprinzen sagte, war so beschaffen, dass er zu
den frohesten Erwartungen berechtigte; man schilderte ihn nämlich als einen
schönen jungen Mann von den besten Sitten und den herrlichsten Eigenschaften des
Gemüts und des Geistes. Der ganze Hof schätzte die Prinzessin glücklich, einen
solchen Bewerber gefunden zu haben; und sie selbst gab sich der süßen Täuschung,
alle ihre Wünsche nach kurzer Frist erfüllt zu sehen, nur allzu bereitwillig
hin. Da unser Hof den Rang vor dem ...schen hatte, so wurde nur die Bedingung
gemacht, dass der Erbprinz sich in eigener Person bewerben möchte, und diese
Bedingung zu erfüllen, erschien derselbe anderthalb Monate darauf. Eine schöne
Figur, mit einem Gesichte, dem es weniger an Adel, als an bestimmten Ausdruck
fehlte! So wie sich der Prinz zum erstenmale produzirte, musste er gefallen. Die
Prinzessin Karoline war eben so bezaubert von seinem Betragen, als von seiner
Gestalt. Mir entging, bei einer fortgesetzten Aufmerksamkeit auf den Prinzen,
nicht, dass eine gewisse Heftigkeit in ihm war, die sich auf den ersten besten
Gegenstand wirft, weil sie denjenigen noch nicht gefunden hat, der sie anhaltend
beschäftigen könnte; allein, wie wichtig mir meine Entdeckung um der Prinzessin
willen sein mochte, so hielt ich es doch nicht der Mühe wert, darüber ein Wort
fallen zu lassen, da sie einen Fehler betraf, der sehr leicht zu verbessern ist.
Die Vermählung würde ohne Karolinens Einwilligung beschlossen und vollzogen
worden sein; aber dies war so wenig notwendig, dass in dem vorliegenden Falle
das Herz recht eigentlich im Bunde mit der Politik zu sein schien, oder vielmehr
wirklich war. Das Einzige, was die Prinzessin sich ausbedung, war, dass es ihr
erlaubt sein möchte, mich als Gesellschaftsdame mit an den ...schen Hof zu
nehmen; eine Bedingung, die man sehr gern gestattete.
    Von der Vermählung der Prinzessin, welche einige Monate darauf an unserem
Hofe vollzogen wurde, kein Wort; denn sie war, wie dergleichen immer zu sein
pflegen. Vierzehn Tage darauf erfolgte die Abreise. Während der Reise hatte ich
mehr als eine Gelegenheit, die Bemerkung zu machen, dass meine erste Entdeckung
in Betreff des Erbprinzen eine sehr richtige gewesen sei, und ich gestehe, dass
ich jetzt anders darüber urteilte, als vorher; allein wenn mir die Mitteilung
meiner Entdeckung früher nicht der Mühe wert geschienen hatte, so war sie jetzt
zu spät, und mein Vorsatz konnte kein anderer sein, als mich mit der größten
Behutsamkeit zu betragen, im Fall meine Freundin selbst aus ihrer bisherigen
Täuschung erwachen sollte. Diesem Vorsatze gemäß betrug ich mich so, dass ich die
