 Umgang nicht zu entbehren, hatte er es sich gefallen lassen, ein
Mitglied des ridicülen Klubs zu sein, wobei ihm aber nicht lange gestattet war,
eine müßige Rolle zu übernehmen. Ein jeder sollte etwas vorzulesen bringen, und
Wassermann bestand mit so stark vorblickendem hämischen Triumph. Albert solle
eigne Arbeit produziren, dass dieser sich endlich etwas finster und drohend
entschloss, folgendes Märchen der Gesellschaft zum Besten zu geben:
                              Prinzessin Gräcula.
                                 Ein Märchen.
In dem weiten Gebiete der Phantasie lag ein großes, großes Königreich, welches
noch kein Reisender entdeckt, kein Geometer ausgemessen und kein Geograph
beschrieben hat.
    Über dieses herrschte ein König, der im Kleinen sehr groß und im Großen sehr
klein war; kurz, ganz so ein moralischer Krüppel, als hätten ihn schon,
Jahrtausende hindurch, die Geschichtschreiber unter gehabt. Dieser König hatte
eine Gemahlin; und wie es in allen Märchen der Welt Sitte ist, hatte dieses
königliche Paar denn auch keine Kinder. Doch ging der König darin von der alten
Sitte ab, dass er sich ganz und gar nichts daraus machte. Unserm Fricando hätte
das Mühe gemacht, und die armseligen 24 Stündchen Ruhe, die er sich täglich von
seinen Regierungssorgen abstahl, verbittert. Außer vom Gesottenen und
Gebratenen, nahm er von wenig Dingen Notiz. Die Natur hatte für ihn nur in so
fern Schönheit, als er sie sich wie eine weite, wohl versehene Speisekammer
vorstellte. Seine Handbibliotek, woraus sein Hofzwerg ihm vorlas, bestand aus
eitlen Verdauungsbüchern, nämlich Vademecums und Parodien, travestirten
Trauerspielen und Münchhausiaden. So war unser erzgute Fricando! -
    Ganz ein Anderes war's mit seiner Königin, der schönen Sentimentale. Sie
nahm von allem, was war und nicht war, Notiz, und lebte und webte in
Kunstgenüssen. Mahler, Zeichner und Künstler aller Art wimmelten so chaotisch in
ihrem Schloss, dass sie oft einander den Weg verrannten. Und Musik! ja, Musik
tönte aus allen Gemächern; sogar am heimlichen eine Aeolsharfe. Die schöne
Sentimentale bekümmerte sich um alles, was in ihrem weiten Reiche vorging; sie
ennuyirte sich tötlich erfuhr sie nicht gleich alles. Dem nun vorzubeugen, war
ihr Schloss nach allen Richtungen hin mit Telegraphen umgeben, und ein ganzes
Heer Aeronauten stand auf ihren Wink bereit, ihr das Neueste vom Neuen
zuzuführen.
    Einst erwachte nach einer kurzen, sechsstündigen Sieste unser Fricando sehr
heiter. Sentimentale, [die unter andern auch eine Altertumsforscherin war, und
das Alte gern so dicht als möglich an das Neue schob,] war eben in der wichtigen
Untersuchung vertieft, ob der Knauel, den Ariadne dem Teseus aus dem Labyrinth
zu kommen gab, Seide, Baumwolle oder Zwirn gewesen sei? als sie durch ein
unmässiges Gelächter des teuren Gemahls gestört wurde.
